Höllen-Sonne!", brüllte die Bild- Zeitung nach zwei schönen Tagen Ende Mai und fragte besorgt: "Was ist nur mit ihr los?" Die Antwort hatte das Blatt schon parat, sie sei "so aggressiv wie seit 8000 Jahren nicht mehr!" Stimmt. Die Sonne ist heute im Mittel doppelt so aktiv wie in den vergangenen 8000 Jahren – allerdings nicht erst seit Mai, sondern seit etwa 60 Jahren.

Und veröffentlicht wurde diese Erkenntnis bereits im vergangenen Herbst. Sami Solanki, Direktor des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, war auf das Sonnenhoch gestoßen, als er die Sonnenaktivität der vergangenen 11400 Jahren rekonstruierte. Für ihn ist das allerdings "wirklich kein Grund, sich Sorgen zu machen". Denn die erhöhte Aktivität habe kaum Einfluss auf die ultraviolette Strahlung, die uns bräunt oder verbrennt. "In diesem Wellenlängenbereich hat die Strahlung um weniger als ein Prozent zugenommen", beruhigt Solanki. Nur der Anteil der sehr kurzwelligen UV-C-Strahlung habe sich verdoppelt – doch diese wird in der Atmosphäre absorbiert und erreicht gar nicht den Erdboden.

Entwarnung also? Brauchen wir uns um die aggressive UVStrahlung keine Sorgen mehr zu machen? Oder müssen wir uns doch darauf einstellen, dass das Sonnenlicht in Zukunft immer bedrohlicher wird? Schließlich hängt die UV-Dosis, die auf der Erde ankommt, nicht nur von der Strahlungsintensität der Sonne ab, sondern vor allem davon, wie viel die Ozonschicht absorbiert, wie viel Wolken und Schwebstoffe aufnehmen oder streuen.

Zumindest was die Sonne selbst angeht, muss in den kommenden Jahren wohl kaum mit einem Zuwachs an UV-Strahlung gerechnet werden. Denn Sami Solankis Analyse zeigt keinen eindeutigen Anstieg der solaren Aktivität, sondern eher ein zufällig anmutendes Schwanken über die vergangenen Jahrtausende. Überlagert wird dieses Auf und Ab noch von einem kürzeren, elf Jahre dauernden Zyklus der Sonnenaktivität. In dieser Zeit nimmt die magnetische Aktivität der Sonne (messbar an ihren dunklen Sonnenflecken) allmählich zu und dann wieder ab. Doch auch dieser Elfjahreszyklus, der momentan fast an seinem Tiefpunkt angekommen ist, braucht Sonnenanbeter nicht zu beunruhigen. "In dem Bereich, der für die Haut relevant ist, variiert die UV-Strahlung über den Zyklus gerade mal um wenige Promille", sagt Solanki.

Ernster ist dagegen schon die Angst vor einem aufklaffenden Ozonloch zu nehmen. In den achtziger Jahren wurden die ersten Befürchtungen laut, Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) könnten die Ozonschicht über unseren Köpfen ausdünnen und damit unseren natürlichen Schutz vor der ultravioletten Strahlung schwächen. Tatsächlich hat das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) anhand von Ozonwerten in der Stratosphäre berechnet, dass in Mittel- und Nordeuropa die UV-B-Strahlung – die Sonnenbrand und Hautkrebs verursacht – in den achtziger Jahren um etwa fünf Prozent gestiegen ist.

Direkte Messungen können diesen Trend allerdings heute nicht bestätigen. Seit 1993 misst das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst die UV-Einstrahlung in Deutschland. "In den vergangenen zehn Jahren gab es erwartungsgemäß starke Schwankungen, wir haben aber bisher keinen konsistenten Anstieg der UV-Einstrahlung verzeichnet", sagt Rüdiger Matthes, Leiter der Arbeitsgruppe "Nichtionisierende Strahlung" im BfS. Eine künftige Zunahme sei nicht ausgeschlossen, etwa falls die Ozonkonzentration in der Stratosphäre noch sinke.

Ob und wie stark die UV-Belastung steigen wird, darüber gehen die Prognosen auseinander. Je nach Szenario könnte sie sich bis 2050 verdoppeln oder wieder auf das Niveau von 1975 zurückgehen. Joachim Reuder vom Meteorologischen Institut der Universität München hat berechnet, dass selbst unter pessimistischen Annahmen die UV-B-Strahlung bis 2015 um weniger als 10 Prozent zunehmen und danach wieder sinken wird. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass sie auf dem aktuellen Niveau bleibt und in zehn Jahren wieder zurückgeht.

Solche Abschätzungen beruhen vor allem auf Annahmen, wie sich der Ozongehalt in der Stratosphäre verändert. "In den vergangenen vier Jahren haben wir in unseren Breiten keinen Ozonabbau mehr festgestellt", berichtet Guy Brasseur, Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg. Noch sei unklar, ob dies erste Anzeichen einer Erholung der Ozonschicht seien oder nur natürliche Variationen.