Für Post-Chef Klaus Zumwinkel ist es der Beginn einer neuen Ära. Anfang der vergangenen Woche hat die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein großes Paket von Postaktien an institutionelle Investoren verkauft. Damit besitzen jetzt erstmals private Anteilseigner die Mehrheit an dem ehemaligen Staatsunternehmen. Diese Entwicklung hin zum Privatkonzern war abzusehen.

1995 wurde aus der Behörde eine Aktiengesellschaft, im Jahr 2000 folgte der Börsengang. Seitdem hat der Bund wiederholt direkt von ihm gehaltene Anteile an die KfW weitergereicht, damit die sie später veräußert. Aktuell hält der Bund direkt noch 7,3 Prozent der Aktien, die KfW 37,4 Prozent. Die Post hofft, dass diese Anteile in den nächsten Jahren ebenfalls verkauft werden.

Auch die KfW möchte die Post mittelfristig endprivatisieren, sie hat sich aber bis Mai 2006 selbst eine Sperre für weitere Verkäufe auferlegt. Den Kunden drängen sich schon jetzt Fragen auf.

Wird das Briefporto jetzt teurer?

Nein. Die Portogebühren müssen auch künftig von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in Bonn jedes Jahr neu genehmigt werden. Bei dem Verfahren von 2004 gab es sowohl Preiserhöhungen als auch -senkungen. Die Preise für eine Postkarte (45 Cent) und einen Standardbrief bis 20 Gramm (55 Cent) bleiben zumindest bis zum Ende dieses Jahres gleich.

Kann ich meine Post künftig auch im Supermarkt abgeben?

Ja und nein. Schon heute sind die meisten Poststellen keine eigenen Filialen mehr, sondern so genannte Agenturen. Ende 2004 gab es 7640 dieser privat betriebenen, im Auftrag der Post unterhaltenen Agenturen, darunter auch Niederlassungen nach dem Shop im Shop-Prinzip. So kann zum Beispiel in einem Dorf der lokale Kiosk die Aufgaben einer Postfiliale übernehmen. Der Spielraum von Wettbewerbern hingegen ist weiter begrenzt. Nach dem Postgesetz darf allein die Deutsche Post Briefe befördern - bis Ende dieses Jahres gilt dies für alle Sendungen bis 100 Gramm, bis Ende 2007 für alle bis 50 Gramm.