Vielleicht ist es nach zwei verlorenen Weltkriegen ja nicht anders möglich, und wahrscheinlich muss man sogar froh sein, wenn die Leidenschaft, von der hier die Rede sein soll, sich auf so harmlose Weise austobt. Aber hässlich und letztlich charakterlos ist diese Neigung der Deutschen doch, wann immer möglich, aufseiten der Sieger stehen zu wollen.

Jüngstes Beispiel: Zehn Millionen Zuschauer sahen sich am vergangenen Sonntag das lächerliche Formel-1-Rennen an, in dem es mangels Gegnern nur noch darum ging, ob Michael Schumacher gewinnt oder Ferrari. Die Formel 1 war zu sich selbst zurückgekehrt: Dreizehn Autos fahren im Kreis (es dürfen zur Not auch bloß sechs sein), und am Ende gewinnt der Rennstall des Deutschen. Als diese Regel nicht mehr galt, in der laufenden Saison nämlich, ließ die Formel-1-Begeisterung stark nach. Wenn Schumi Rennen verliert, verliert RTL Zuschauer, scheidet der Deutsche aus, dann schalten die Deutschen ab.

Beispiele dieser Haltung gibt es reichlich. Tennis war nur mit Boris und Steffi schön, die Tour de France nur mit Jan Ullrich im gelben Trikot. Und es hat ja auch etwas Tröstliches, zu wissen, dass die Leute die Raserei der Rennwagen nicht um ihrer selbst willen schätzen.

Leider hat diese Bereitschaft, sich mit beliebigen Siegen zu identifizieren, eine unerfreuliche Kehrseite. Wer um Anhänger wirbt, muss glaubwürdig behaupten, gewinnen zu können. Dass Schröder und Fischer das jetzt allen Ernstes noch vorgeben, ist, so gesehen, nicht nur ihnen vorzuwerfen. Wir haben es nicht besser verdient.