The Guardian (Großbritannien) :
"Ein Test für die Außenbeziehungen Irans wird sich ergeben, sobald die Iraner die Verhandlungen mit der Europäischen Union über das Atomprogramm wieder aufnehmen. Die meisten der iranischen Unterhändler, mit denen die EU bisher zu tun hatte, sind Liberale. Wenn sie ersetzt worden sind oder einen anderen Verhandlungsauftrag erhalten haben, dann ist dies ein klares Signal. Vielleicht trifft nichts dergleichen zu, denn schließlich verfügt das iranische System auch über ein gewisses Maß an Geschmeidigkeit und Verstand, aber die Chancen dafür, dass es letztlich zu einem Zusammenstoß (Irans) mit den USA kommt, müssen mit der Wahl am Wochenende gestiegen sein."

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (Essen, Deutschland):
"Der Schock über den Wahlausgang im Iran beweist einmal mehr, wie wenig sich der Westen in andere Kulturen einzufühlen vermag. Denn für westliche Beobachter war eines klar: Die Iraner sehnen sich nach Freiheit - die Frauen wollen ihre Schleier abwerfen und die Jugend will in schicken Jeans zu McDonald's. Was dabei nahezu unbeachtet blieb: Noch mehr als nach bürgerlichen Freiheiten sehnen sich die meisten Iraner wohl nach Brot und Arbeit. Und diesen verarmten Massen präsentierte sich Ahmadinedschad als Robin Hood von Teheran. Er selbst lebt offensiv bescheiden und geißelt lautstark die Prunksucht der Reichen. Das macht ihn zum Helden der kleinen Leute."

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz):
"Wahlkampf und Wahlergebnis sind jedoch ohne Zweifel Ausdruck eines tatsächlichen Machtringens, ja eines eigentlichen Klassen- und Kulturkampfs. Mahmud Ahmadinedschad, der die Stichwahl vom Freitag gewonnen hat, und sein unterlegener Rivale (Akbar) Haschemi Rafsandschani verkörpern diese Gegensätze. ... Die Iraner wollen einen neuen Mann als Präsidenten, der eine neue Politik macht. Ihr Votum ist nicht gegen die USA oder den Westen gerichtet, sondern gegen ihre eigene Regierung."

Le Figaro (Frankreich):
"Die überraschende Wahl eines Ultrakonservativen zum Präsidenten markiert einen Schritt zurück, der weder für die Islamische Republik Iran noch für den Westen Gutes verheißt. Für die Männer und Frauen in Iran sieht die nächste Zukunft unheilvoll aus. Die ohnehin nur sehr begrenzten Freiheitsräume, die erkämpft wurden, sind bereits in Frage gestellt. Es scheint unausweichlich, dass die Frauen als erste unter der Rückkehr zu den "Werten der Revolution" leiden werden. Und mit einem weiteren Ideologen an der Macht in Teheran wird die Aufgabe umso heikler, Iran zu einer Aufgabe seiner Atompläne zu bewegen und damit auch wieder in die internationale Gemeinschaft einzugliedern."

Berner Zeitung (Schweiz):
"Der neue iranische Präsident ist zweifellos erzkonservativ, aber kein Taliban, wie dies von (dem gemäßigten Kleriker Abkar Haschemi) Rafsandschani immer wieder behauptet wurde. Ahmadinedschad wird an seinen Taten gemessen werden, die den lukrativen Wahlkampfversprechungen folgen müssen. ... Der allmächtige Revolutionsführer (Ali Chamenei) hat in allen Fragen von politischer Tragweite das letzte Wort. Widerworte oder sogar Kritik - wie in den letzten acht Jahren von den Reformern - hat er von Ahmadinedschad nicht zu befürchten. Chamenei, glauben Beobachter im Iran, sei deshalb der wirkliche Sieger der Präsidentenwahlen."

de Volkskrant (Niederlande):
"Durch den Sieg des Hardliners Ahmadinedschad geraten auch die Beratungen über das iranische Atomprogramm unter größeren Druck. ... Die iranische Versicherung, dass keine Kernwaffen entwickelt werden, scheint immer wieder im Gegensatz zu den Fakten zu stehen. Noch ist es nicht zu spät für eine diplomatische Lösung dieser für die ganze Region heiklen Frage. Aber die europäischen Unterhändler werden stärker als bisher neben dem Zuckerbrot auch die Peitsche zeigen müssen. Und das bedeutet mehr als das bloße Vorenthalten von Belohnungen bei schlechtem Verhalten Irans."

Landeszeitung (Lüneburg, Deutschland):
" Der Dialog zwischen den Kulturen, zwischen Ost und West, scheint vorbei -- ab sofort findet er hauptsächlich zwischen dem Ajatollah und dem neuen Präsidenten Ahmadinedschad statt. Dem Ultrakonservativen ist mit seinem Sieg ein Überraschungscoup gelungen. Nun weiß der Ajatollah einen Gleichgesinnten an seiner Seite. Eine Politik im Stile Chinas, das nur in puncto Wirtschaft die Öffnung zum Westen eingeht, könnte auch Teheraner Devise werden. Mitschwingen auf der Wirtschaftsschaukel, wenn's um Märkte und Know- how geht, aber abspringen, sobald die Musik der westlichen Werte ertönt. Von nun an ist diplomatisches Fingerspitzengefühl noch stärker gefragt als bisher. Bundespräsident Köhler hat mit seiner dezenten Glückwunschnote den Pfad der Gratwanderung nicht verfehlt. Die USA und andere hingegen haben gleich die gelbe Karte gezückt. Der erhobene Zeigefinger ist sicherlich nicht das Zeichen, das Teherans Westskepsis entkräften kann."

Svenska Dagbladet (Schweden):
"Der frühere Revolutionsgardist Mahmud Ahmadinedschad hat die Präsidentschaftswahlen durch die Unterstützung von Millionen armer Iraner gewonnen. Das war klassischer Populismus: Kampf gegen die Armut und das Versprechen von Jobs bei gleichzeitiger Problemanalyse mit diversen Sündenböcken. (....) Das Positivste an dieser Wahl war noch, dass letztlich nicht der Präsident bestimmt, sondern der Religionsführer Ali Khamenei. Das bedeutet, dass es keine Umlegung der Politik geben und somit nicht alles noch schlechter wird. Auf längere Sicht aber sind die Perspektiven unheilschwanger. (...) Ohne den bisherigen Präsidenten Khatami ist das Risiko einer negativen Dynamik offenbar, die zu einer härteren Haltung gegenüber dem Westen und Israel führen kann. Die Beunruhigung muss auch der Haltung Irans zum Irak gelten."

SonntagsZeitung (Schweiz):
"Nicht das Abnehmen des Tschadors, Livemusik und ein Mullah- freies Leben sind die Prioritäten der Wähler, sondern ein gesicherter Job und ein gerechter Anteil am Ölreichtum. Dass ihr neuer Robin Hood ein islamistischer Hardliner ist, war weniger wichtig, ebenso die Frage, ob er seine Rolle als Rächer der Entrechteten erfüllen kann."

La Repubblica (Italien):
"Die Wahl ist ein Beweis, wenn er denn überhaupt nötig war, dass das Reich des Schattens - wie es hier genannt wird - jener Parallel- Staat, der in allen Bereichen des Lebens im Iran operiert, die oberste Macht bleibt. Der 48-Jährige (...) war im Iran ein Unbekannter, bevor er vor zwei Jahren zum Bürgermeister von Teheran gewählt wurde - und dies dank der fast völligen Stimmenthaltung der Reformer. Seine erste Maßnahme als Bürgermeister war es, die Aufzüge für Männer und Frauen zu trennen und die Bewohner der Hauptstadt scherzten: Als nächstes wird er dann Nummernschilder für die Geschlechter einführen, einen Tag fahren die Männer und den nächsten die Frauen. Ab morgen haben sie weniger zu scherzen."