Eine der ersten Versuchsanlagen zur Kernfusion tauften die Physiker Perhapsatron – "Vielleichtmühle". Die Wortwahl stellte sich als zukunftsweisend heraus. Denn die Aussicht auf unerschöpfliche Energie aus Fusionskraftwerken wird seit fünfzig Jahren mit der Fußnote "vielleicht möglich" versehen. Wenigstens ein Hindernis ist nun genommen: Nach dreijährigem Tauziehen einigten sich diese Woche die Forschungsminister von Europa, Japan, Russland, den USA, China und Südkorea endlich auf einen Standort für die internationale Fusionstestanlage Iter.

Der rund zehn Milliarden Euro teure Versuchsreaktor soll im südfranzösischen Cadarache entstehen und nach einer Bauzeit von zehn Jahren den Nachweis erbringen, dass der Traum vom "Sonnenfeuer auf der Erde" möglich ist, dass die Verschmelzung von Wasserstoff- zu Heliumkernen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch Energie erzeugt. 2055 könnte dann der Nachfolgereaktor Demo erstmals Strom liefern. Vielleicht.

Doch zunächst müssen die Details der jetzt getroffenen Ministervereinbarung ausgehandelt und in ein official agreement gegossen werden. Und da droht noch mancher Zwist. Denn das Einlenken von Japan, das ebenfalls Iter-Standort sein wollte, wurde mit großzügigen Zugeständnissen erkauft: Japan bekommt 20 Prozent der Fertigungsaufträge, trägt aber nur 10 Prozent der Baukosten. Darüber hinaus hat sich die EU verpflichtet, Fusions-Forschungsprojekte in Japan mitzufinanzieren. Schon beschweren sich China und Südkorea über diese Bevorzugung. Sind sie besänftigt, müssen die Europäer klären, woher sie das reichlich in Aussicht gestellte Geld tatsächlich nehmen.

Der Streit um die künftigen Finanzierungsprioritäten der EU – Ackerbau oder Forschung – hat gerade erst begonnen. Möglicherweise muss für Iter an anderer Stelle gespart werden. Etwa in Greifswald, wo die Fusionsanlage Wendelstein entsteht? Werden das die Deutschen akzeptieren?

Wer die Geschichte der Kernfusion kennt, weiß, dass der Weg nach Cadarache mit "Vielleichts" gepflastert ist.