Welcher Topmanager aus Überzeugung da war oder wer lediglich sein Image aufbessern wollte - das war schwer auszumachen. Gekommen waren jedoch einige, um am Donnerstag und Freitag in Berlin über Fragen der Unternehmensführung (Corporate Governance) zu diskutieren. Hilmar Kopper, Aufsichtsratschef von DaimlerChrylser und ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, begrüßte seinen Duzfreund Josef Hattig, den Aufsichtsratschef der Deutschen Post. Udo Stark, Vorstandschef des Münchner Getriebeherstellers MTU, gab sich ebenso die Ehre wie Henning Schulte-Noelle, Aufsichtsratschef der Allianz, und Albrecht Schmidt, dessen Zeit als Aufsichtsratschef der HypoVereinsbank mit der Übernahme durch die italienische UniCredit demnächst zu Ende gehen dürfte.

Gerufen hatte Gerhard Cromme, Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp und Chef der nach ihm benannten Regierungskommission. Bereits zum vierten Mal versammelte er Konzernlenker und Fachleute, um über Transparenz und Kontrolle in deutschen Unternehmen zu sprechen. Eines der großen Themen der Konferenz war - wenig verwunderlich - der Gesetzentwurf zur individuellen Veröffentlichung von Vorstandsgehältern. In seinem Redemanuskript, nicht jedoch in seiner Rede selbst wies Cromme darauf hin, dass nach seiner Ansicht nicht nur Barvergütungen und Aktienoptionen, sondern auch Sachbezüge, Versorgungsansprüche, Abfindungen sowie Zahlungen bei vorzeitiger Beendigung der Amtszeit zur Gesamtvergütung eines Vorstandsmitglieds zu zählen seien. Transparenz bedeute, "dass man die Zusammensetzung der Gesamtvergütung sowie die Gewichtung der einzelnen Vergütungskomponenten den Anlegern erläutert". Entsprechend könne es sich anbieten, wenn deutsche Konzerne künftig einen gesonderten Vergütungsbericht erstellten.

Wie weit die Kommission in dieser Frage selbst noch aktiv wird, soll sich nach Crommes Willen erst nach Ende des Gesetzgebungsverfahrens entscheiden, wenn der endgültige Wortlaut des Gesetzes vorliegt. Nachdem sich Bundesregierung und Opposition nach langwierigen Verhandlungen am Freitag auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt haben, wird nun mit einer Verabschiedung des Gesetzes durch den Bundestag am kommenden Donnerstag und durch den Bundesrat am 8.Juli gerechnet. So könnte das Gesetz doch noch vor den möglichen Neuwahlen im September beschlossen werden. Zypries hatte den Gesetzentwurf im Frühjahr vorgelegt, weil bisher nur 20 von 30 Dax-Konzernen einer freiwilligen Regelung im Verhaltenskodex für deutsche Unternehmen gefolgt sind und sämtliche Vorstandsgehälter individuell offengelegt haben. Kommissionschef Cromme nannte den Schritt von Zypries "nur konsequent", auch wenn es ihm lieber gewesen wäre, der Gesetzgeber hätte der freiwilligen Regelung noch ein Jahr mehr Zeit gegeben.

Heiß diskutiert wurden in Berlin die Arbeit und Unabhängigkeit von Aufsichtsräten, die geringe Präsenz von Aktionären auf Hauptversammlungen und der gerade auch wegen dieser geringen Präsenz gestiegene Einfluss institutioneller Investoren wie zum Beispiel Hedge Fonds - jene spekulativen Anleger, die SPD-Chef Franz Müntefering vor kurzem als "Heuschrecken", die deutsche Unternehmen abgrasen und dann weiterziehen, gebrandmarkt hatte. Aufsehen erregt hatte insbesondere der Fall Deutsche Börse: Dort war im Mai Vorstandschef Werner Seifert auf Druck von geheimniskrämerischen Hedge Fonds wie TCI zurückgetreten, Rolf-Ernst Breuer wiederum, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, hatte sein Ausscheiden aus dem Amt des Aufsichtsratschefs der Börse zum Ende dieses Jahres angekündigt.

Fälle wie diesen vor Augen, forderte Gerhard Cromme in Berlin "Chancen- und Waffengleichheit" und daher mehr Transparenz auch von Seiten der Aktionäre. "Erwägenswert" nannte er den Vorschlag von Kommissionsmitglied Christian Strenger, die Meldepflicht für Beteiligungen an Unternehmen von derzeit fünf Prozent auf 2,5 Prozent zu senken. Jaap Winter, Professor an der Universität Amsterdam und enger Berater der Europäischen Kommission, sieht in der aktuellen Debatte eine Verschiebung des Fokus weg von der Unternehmensführung hin zu den institutionellen Investoren. "Wer sind sie, dass sie den Unternehmen sagen, was richtig und was falsch ist?", sagte Winter. Ein Satz, bei dem sich Hilmar Kopper ein breites, zustimmendes Grinsen nicht verkneifen konnte.