Der ehemalige Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls hat die Annahme von umgerechnet rund 1,02 Millionen Euro Schmiergeld für ein Panzergeschäft mit den USA gestanden. Der Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber habe das Geld 1990 für ihn auf einem Schweizer Konto deponiert, sagte der 62-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Augsburg aus. "Es ist mir unerklärlich, wie es damals zu diesem Ausraster gekommen ist. Ich habe mich irgendwie verstrickt." Pfahls ist wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung in seiner Amtszeit angeklagt. Unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) war von 1987 bis 1992 Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium.

Die Aussage des früheren CSU-Politikers Pfahls sorgte für Überraschung, denn in der Anklage geht es um ein Panzergeschäft mit Saudi-Arabien. Dafür habe Pfahls 1991 von dem nach Kanada geflüchteten Schreiber umgerechnet rund zwei Millionen Euro Bestechungsgeld erhalten und nicht versteuert, heißt es in der Anklage. Das Geld sei geflossen für die Mithilfe von Pfahls bei der kurzfristigen Bereitstellung von 36 Fuchs-Spürpanzern aus Bundeswehr- Beständen für Saudi-Arabien. "Dabei widersetzte sich Pfahls bewusst der Führung des Heeres und stellte die Spitze der Bundeswehr vor vollendete Tatsachen", sagte Oberstaatsanwalt Christoph Wiesner. Pfahls räumte später ein, er habe auch für dieses Geschäft rund eine Million Euro von Schreiber erhalten.

Zum Prozessauftakt am Dienstag hatte das Gericht Pfahls für den Fall eines "glaubhaften Geständnisses" ein Strafe von nicht mehr als zwei Jahren und drei Monaten zugesichert. "Ich möchte aussagen", erkärte Pfahls.

Der Angeklagte schilderte dann zunächst das Panzergeschäft mit den Vereinigten Staaten mit einem Auftragsvolumen von umgerechnet rund 820 Millionen Euro. Er habe sich dafür Anfang 1990 auf Bitten von Schreiber eingesetzt und den Deal zum Erfolg gebracht. Schreiber sei nach einem feucht-fröhlichen Kegelabend sein Duz-Freund-gewesen und habe ihn gebeten, für den Thyssen-Konzern "lenkend einzugreifen". Dafür habe ihm Schreiber zwei Millionen Mark in Aussicht gestellt. Nach dem Zustandekommen des Geschäftes habe ihn Schreiber als "doppelten Millionär" beglückwünscht.

Pfahls hat das Geld seiner Aussage zufolge zunächst nicht annehmen wollen und sei von Schreiber "breit gequatscht" worden. "Hab' dich nicht so, nimm's, uns tut's nicht weh", habe ihn Schreiber gedrängt. Schreiber habe die Millionen dann für ihn auf einem Schweizer Konto verwahrt. "Ich hätte ihn anrufen müssen, wenn ich Geld haben wollte." Er wolle sein eigenes Fehlverhalten nun aber nicht auf die Überredenskünste von Schreiber abschieben, beteuerte Pfahls. "Ich bin schuld."

Die Verteidigung von Pfahls beantragte zu dem Geschäft mit Saudi- Arabien eine Zeugenvernehmung von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, der früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel (beide FDP) sowie anderer Mitglieder der Kohl-Regierung. Damit wolle man den Vorwurf der Bestechlichkeit entkräften, sagten die Verteidiger. Denn Kohl habe den Amerikanern im ersten Golfkrieg in den Jahren 1990 und 1991 nichtöffentlich "jede erdenkliche Hilfe" zugesagt. Dazu habe auch das umstrittene Panzergeschäft mit Saudi-Arabien gehört. Auch der damalige Bundessicherheitsrat habe die Lieferung an den arabischen Staat einstimmig gebilligt.