Aufseiten der "Schutztruppe" waren 15 Weiße und 389 Afrikaner gefallen. Die viel gerühmten Askari, die schwarzen Landser, gehörten neben den verrohten deutschen Soldaten zu den berüchtigsten Menschenschindern. Sie kamen aus Nubien, dem heutigen Sudan, oder aus anderen Regionen der Kolonie und hatten keinerlei Beziehung zu den aufständischen Völkern.

Später schwärmten die Askari von ihrer "Kampfzeit", als wär’s ein Pfadfindermanöver gewesen. Das passt bis heute perfekt in die Geschichtsfantasien des Traditionsverbandes der ehemaligen Schutz- und Überseetruppen. Der Engländer war brutal, nicht wahr? Und der Portugiese erst! Vom Belgier gar nicht zu reden. "Unsere Neger" aber mochten uns. So reimt sich der Kolonialterror zum zünftigen Heia Safari.

Malonde Maseru hat das stets gerne bestätigt; er war ein tansanischer Veteran voll deutscher Heldensagen. Wir besuchten den steinalten Mann vor zehn Jahren in seinem Dorf Mapotjomi. Stramm wie ein junger Infanterist schritt er in seinen Sandalen aus Reifengummi auf uns zu. "Die Deutschen haben uns immer gut behandelt", erzählte er. Es habe immer genug ugali (Maisbrei), Sauerkraut und Zigaretten gegeben. Jedes Mal, wenn Maseru den Namen Kaiser Wilhelm aussprach, salutierte er. Unvergesslich zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Schlacht bei Tanga, am 4. und 5. November 1914, als "wir die Engländer zurückgeschlagen haben". Seinerzeit fielen "48 brave Askari", an die heute noch das Kriegerdenkmal an der Eckernforde Avenue in Tanga erinnert. "Eine schöne Zeit war das." Malonde Maseru, der fröhliche Zeuge einer dunklen Epoche. Das jährliche Treuegeld, das er bis zu seinem Tode von der Bundesrepublik Deutschland erhielt, versilberte seine Vergangenheit.

Von der Eckernforde Avenue zurück in die Wilsonstraße 1 in Hamburg-Jenfeld, zum Askari-Denkmal des Bildhauers (und Kolonialoffiziers) Walter von Ruckteschell. Wohin mit dem Nazi-Kitsch? Was wird aus dem Tansania-Park? Soll er zum Gedenken an unsere glorreiche Kolonialzeit doch noch vollendet werden? Die Hamburger Obrigkeit ist irgendwie dafür, denn schließlich ist auch die tansanische Regierung irgendwie nicht dagegen, wie eine Besuchsdelegation des Senats im Januar herausgefunden haben will. Afrikanisten wie Ludwig Gerhardt kritisieren den "geschichtsverfälschenden Eindruck" der Monumente und warnen davor, dass der Park zu einer "Pilgerstätte der Ewiggestrigen" werden könnte. Dafür wurde er in einem anonymen Brief bereits als "antideutsche Drecksau" entlarvt.

Ein paar Bürger erzürnen sich über das Projekt, aber die Mehrheit nimmt es ebenso wenig wahr wie die vielen Denkmäler, Straßennamen, Speicher oder Kontorhäuser, die vom Geist des wilhelminischen Imperialismus künden und von den Profiten, die Hamburg einst aus der kolonialen Raubwirtschaft gezogen hat. Inzwischen legte die finnische Künstlerin Hannimari Jokinen, verbunden mit ihrem Internet-Projekt www.afrika-hamburg.de , ein Alternativkonzept für einen "Park der Kolonialdenkmäler" vor. Sie will ihn nach dem Modell des Budapester Szoborparks für Statuen des Stalinismus und Staatskommunismus gestalten. Eine treffliche Idee. Denn so wären auch die wilhelminischen Kolonialkriege in Afrika, ob in Deutsch-Südwest oder Deutsch-Ost, endlich als das erkannt und benannt, was sie sind: Menschheitsverbrechen.