Irakische Sicherheitskräfte haben sich nach Recherchen der britischen Zeitung The Observer im Kampf gegen die Aufständischen schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht. Das britische Außen- und das Verteidigungsministerium äußerten sich "tief besorgt" über die vom Observer geschilderte Entwicklung. "Jede Form der Misshandlung von Häftlingen ist inakzeptabel", teilten die Ministerien mit. Paramilitärische Kommandos im Auftrag der irakischen Regierung sollen ein ganzes Netz geheimer Gefängnisse geknüpft haben, in denen Verdächtige gefoltert würden. Die Kommandos würden teilweise mit amerikanischen und britischen Hilfsgeldern finanziert, berichtete die Zeitung. In den geheimen Gefängnissen würden mutmaßliche Terroristen unter anderem mit Elektroschocks gefoltert. Einige Gefangene seien auch schon umgekommen.

Unterdessen sieht sich die US-Armee neuen Vorwürfen ausgesetzt. Der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York, Samir Sumaidaie sagte der New York Times , US-Soldaten hätten seinen 21 Jahre alten Neffen Mohammed vergangene Woche bei einer Razzia im westirakischen Haditha "kaltblütig" ermordet. Mohammed habe die Soldaten, die "vermutlich auf der Suche nach Waffen und Terroristen" in das Haus eindrangen, in das elterliche Schlafzimmer geführt, um ihnen ein nicht geladenes Gewehr zu übergeben. Eine Stunde später hätten die Militärs das Haus "grinsend" wieder verlassen. Der junge Mann lag im Schlafzimmer tot in einer Blutlache.

Das Schweizer Außenministerium bestätigte, dass ein Schweizer, der auch einen irakischen Pass besaß, vergangene Woche von US-Soldaten erschossen wurde. Die Soldaten hätten auf seinen Wagen gefeuert, als er an einem Konvoi vorbeifahren wollte.

Mehr als 50 Menschen sind am Wochenende im Irak bei Anschlägen und Überfällen getötet worden. Das ägyptische Außenministerium berichtete, Kairos Botschafter Ihab Al-Scharif sei in Bagdad verschwunden. Inoffiziell hieß es, Al-Scharif sei wahrscheinlich entführt worden. Bei Temperaturen um 45 Grad blieben in der Hauptstadt Bagdad am Wochenende Millionen von Menschen ohne Wasser, nachdem Rebellen am Freitag ein Wasserwerk lahmgelegt hatten.

In Bagdad zündete ein Selbstmordattentäter am Samstag vor einer Polizeistation inmitten einer Gruppe von Rekruten einen Sprengstoffgürtel. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks riss er 20 Menschen mit in den Tod, zwei Dutzend wurden verletzt. Wenige Stunden später sprengte sich ein Mann in seinem Auto in Mahmudija südlich von Bagdad an einer Polizeisperre in die Luft. Dabei tötete er fünf Menschen, vor allem Zivilisten.

In den nördlichen und westlichen Stadtteilen der irakischen Hauptstadt waren am Wochenende Millionen Menschen ohne Wasser. Rebellen hatten eine Elektrizitätsstation zerstört, die ein großes Wasserwerk versorgt. Nach Angaben der Behörden könnte es bis Anfang der Woche dauern, den Schaden zu reparieren.