Schade, dass der Weltraum keine Schallwellen überträgt. Sonst hätte es beim Nasa-Angriff auf den Kometen Tempel 1 ordentlich gerummst. Am 4. Juli krachte der Komet kurz vor 8 Uhr mit 37 000 km/h auf einen waschmaschinengroßen Kupferklotz, den die Raumsonde Deep Impact am 3. Juli auf der Umlaufbahn geparkt hatte. Aus sicherer Entfernung filmte das Mutterschiff den Aufprall und funkte die Daten zur Erde. Nun bleibt der Nachwelt immerhin ein Stummfilm von der ersten Bombenattacke auf ein kosmisches Flugobjekt erhalten. Nasa TV zeigte um 8.40 Uhr zunächst ein Standbild: einen hellen Blitz, umgeben von einer diffusen weißlichen Wolke. "Von den Daten werden wir ganz neue Einsichten ins Universum bekommen," schwärmte Charles Elachi, der Chef des Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Auf seinem letzten Weg durchs All wurde das Kupferprojektil von einem Autopiloten gesteuert. Die Erde ist 134 Millionen Kilometer entfernt – zu weit, um manuell einzugreifen. So gut wie alle großen Teleskope sind für den Crash auf den Kometen ausgerichtet.Der Kern von Tempel 1 ist 14 Kilometer lang und etwa 100 Milliarden Tonnen schwer, seine Form ähnelt einer Kartoffel. Das Kupfergeschoss hat daran wohl wenig geändert, auch wenn vor der Landung spekuliert wurde, der Komet würde womöglich nach dem Aufprall auseinander brechen. Der Nasa-Astronom Don Yeomans verglich die Kollision mit dem Zusammenprall einer Mücke mit einer Boeing 747. Deep Impact soll einen zehn Meter tiefen Krater hinterlassen, breit wie ein Fußballstadion. Die Beule wird jedoch kaum Erkenntnisse darüber liefern, ob ein Komet auf Kollisionskurs mit der Erde in Hollywoodmanier zu sprengen wäre. Das ist nicht das Ziel des Beschusses, auch wenn Missionschef Michael A’Hearn derartige Spekulationen gedeihen lässt – für das Einwerben von Fördergeldern taugen sie allemal.Für die Wissenschaftler geht es vor allem darum, mehr über das Innere von Kometen und die Vorgeschichte der Erde zu erfahren. Schließlich haben sich Planeten wie Kometen aus derselben Stein- und Staubscheibe gebildet, die vor 4,6 Milliarden Jahren um die Sonne schwebte. Heute kreisen Milliarden von Kometen in der "Oortsche Wolke" um die Sonne, jenseits der äußeren Planetenbahnen von Pluto und Neptun. Aus diesem Bauschutt des Sonnensystems katapultieren Gravitationskräfte hin und wieder einen Brocken Richtung Sonne. In stark elliptischen Bahnen fegen diese Kometen dann durchs Sonnensystem – wie Tempel 1, der alle 5,5 Jahre wiederkommt. Im Innern bestehen Kometen - auch "schmutzige Schneebälle" genannt - aus gefrorenen Gasen, Staub und Mineralien, umgeben von einer meterdicken Kruste aus dreckigem Eis. Durch die äußere Schicht, so hoffen die Forscher, hat Deep Impact sich hindurch gebohrt. Woraus der Kern besteht, will man nun aus den Filmaufnahmen von Krater und Kometenstaub lernen. Die Lichtspektren sollen Aufschluss über die Zusammensetzung der Materie geben. Manche europäische Wissenschaftler halten die Hau-drauf-Methode der Amerikaner indes für ziemlich grobschlächtig – laut Weltraumgesetz ist sie sogar illegal . Die Europäische Raumfahrtagentur Esa hat eine eigene Sonde losgeschickt, die Ende 2014 ein ferngesteuertes Forschungslabor europäisch sanft auf einem Kometen absetzen soll. Mehr Action liefert freilich der Nasa-Film. Über die Probleme der Nasa mit dem Mondstaub berichtet das Magazin ZEITWissen in seiner aktuellen Ausgabe