Selbst die größten Tierliebhaber und Biologen haben Angst vor Würmern. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Rede ist nicht von den possierlichen Tierchen, die friedlich im Schlamm wühlen, sondern von zerstörerischen und aggressiven virtuellen Schädlingen. Jeder, der einen Computer besitzt oder damit arbeitet, kennt die permanent lauernde Gefahr vor Viren, Würmern, Cookies und Trojanischen Pferden, die wie ein Damoklesschwert über der modernen Technologie schweben.

Im vergangenen Jahr ereilte es wieder einmal Millionen von Computern in aller Welt auf besonders hinterlistige Art und Weise: Sasser, hier der Wurm, der ganze Systeme lahm legte und Schäden in Millionenhöhe anrichtete. Innerhalb von wenigen Wochen hatte sich der Wurm durch die globalen Datenautobahnen gefressen und eine ganze Reihe transnational agierender Konzerne infiziert. Die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines musste wegen der ausgelösten Computerprobleme Flüge streichen und die Europäische Kommission ärgerte sich über den Ausfall von mehr als tausend Rechnern.

Da herkömmliche Schädlingsbekämpfungsmittel in solchen Fällen bekanntermaßen wenig verrichten können, griff der Softwarekonzern Microsoft zu anderen Mitteln und bot ein Kopfgeld über 250.000 Dollar für die Ergreifung des Virenzüchters.

Sasser war von der gerissenen Sorte: Wie seine Artgenossen nutzte er eine Schwachstelle in den Betriebssystemen von Windows XP und 2000. Ohne dass der arglose Anwender etwas Unvorsichtiges tat, verbreitete sich der virtuelle Schädling und verseuchte die Rechner mit einem Schadprogramm. Die Folge waren unkontrollierbare Systemabstürze.

Doch der Erfinder des heimtückischen Wurms wurde gefasst: Er ist gerade neunzehn Jahre jung und stammt aus dem niedersächsischen Waffensen im Kreis Rotenburg/Wümme. Vor dem Landgericht in Verden legte er ein ausführliches Geständnis ab und bestätigte, den Schädling programmiert und entwickelt zu haben.

Die Anklage lautet auf Datenveränderung, Computersabotage und Störung öffentlicher Betriebe. Da der Computerfreak zur Tatzeit noch minderjährig war, könnte er mit einer Verwarnung und gemeinnütziger Arbeit oder Jugendarrest davonkommen. Nur wenn eine besondere Schwere der Schuld gegeben wäre oder schädliche Neigungen bei ihm nachzuweisen wären, könnte er zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren verurteilt werden.