Die übliche Frühjahrsbelebung und die starke Zunahme der Ein-Euro-Jobs haben die Zahl der Arbeitslosen im Juni deutlich auf 4,704 Millionen sinken lassen. Der Rückgang von rund 103.000 Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat war nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement der stärkste seit fünf Jahren. Der Leiter der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, führte die deutliche Abnahme aber vorwiegend auf saisonale Effekte zurück. Konjunkturelle Impulse spielten dagegen kaum eine Rolle, sagte Weise am Donnerstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote sank im Juni um 0,3 Punkte auf 11,3 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 10,2 Prozent gelegen.

Während die Oppositionsparteien der rot-grünen Bundesregierung eine "verheerende arbeitsmarktpolitische Bilanz" bescheinigten, sieht sich Clement in seinem Kurs bestätigt. Seit Februar sei die Zahl der Arbeitslosen um 512.000 zurückgegangen, betonte der Minister. Der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit um 127.000 binnen fünf Monaten zeige, dass die bessere Betreuung junger Menschen im Zuge der Hartz-IV-Reform Früchte trage.

BA-Vize Heinrich Alt wies erneut daraufhin, dass die im Vergleich zum Vorjahr um 471.000 höhere Arbeitslosenzahl durch die Aufnahme erwerbsfähiger früherer Sozialhilfeempfänger in die Statistik verzerrt sei. Ohne den mit rund 330.000 bezifferten Hartz-IV-Effekt würde die Zahl zwar immer noch um 140.000 über der vom Juni letzten Jahres liegen. Im Vergleich zum Dezember habe sich der Abstand jedoch um rund 100.000 verringert. Alt räumte zugleich ein, dass die "positive Bilanz des ersten Halbjahres am Arbeitsmarkt" durch die rund 200.000 "Ein-Euro-Jobs" überkompensiert werde.

Vor allem wegen dieser Zusatzjobs für Arbeitslosengeld II- Empfänger sei die Zahl der Erwerbstätigen im Mai im Jahresvergleich um 136.000 auf 38,98 Millionen gestiegen. Clement sagte, dies sei zugleich der höchste Stand seit drei Jahren. "Dies zeigt, dass unser Kurs stimmt." Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Ronald Profalla, wertete die Juni-Zahlen als Zeichen des Versagens der Regierungskoalition. "Nach sieben Regierungsjahren hinterlässt Rot-Grün das schlimmste Chaos auf dem deutschen Arbeitsmarkt, das je eine Bundesregierung nach 1945 zu verantworten hatte."

Weiterhin ungünstig entwickelt sich nach Angaben der BA die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Dieser Wert lag im April mit 26,15 Millionen um 333.000 unter dem Vorjahreswert. Allerdings sind in den offiziellen Juni-Zahlen der Bundesagentur schätzungsweise 78.000 Arbeitslosengeld II-Empfänger aus den 69 Kommunen nicht erfasst, die im Zuge der Hartz-IV-Reform vom "Optionsmodell" Gebrauch gemacht hätten. Deren Angaben basierten zum Teil lediglich auf Schätzungen und seien deshalb noch nicht in der amtlichen Statistik enthalten.

In Westdeutschland waren im Juni 3.117.000 Arbeitslose registriert - 53.000 weniger als im Mai, aber 448.000 mehr als vor einem Jahr. In Ostdeutschland waren 1.587.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung - 50.000 weniger als vor einem Monat, aber 23.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im Juni im Westen bei 9,5 Prozent, im Osten bei 18,5 Prozent.

Auch der Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 23.000 auf 4,858 Millionen ist nach Einschätzung der BA nicht auf eine konjunkturelle Belebung zurückzuführen. Hier habe der verstärkte Einsatz von Arbeitsgelegenheiten den Rückgang anderer arbeitspolitischer Maßnahmen überlagert. Im Durchschnitt des ersten Halbjahres lag die Arbeitslosenzahl in Deutschland nach Angaben der BA bei 4,9 Millionen. Da auch weiterhin keine konjunkturellen Impulse zu erkennen seien, gehe die BA weiterhin von 4,8 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt aus.