So, wie das Turnier für die deutsche Nationalmannschaft angefangen hat, endete es auch -  mit gleichem Ergebnis jedenfalls. Zum Auftakt gewann die Elf von Bundestrainer Jürgen Klinsmann gegen Australien mit 4:3. Kein überzeugender Beginn war das gegen den klaren Außenseiter. Doch nachdem die erste Schelte verdaut war, nahm die - durch dieses Turnier durchaus erhoffte - Entwicklung der jungen Spieler ihren Lauf.

Es folgte ein noch etwas verkrampfter Sieg gegen Tunesien, ein überzeugendes Unentschieden gegen Argentinien und das heroische Ausscheiden im Halbfinale gegen den späteren Sieger Brasilien. Dieser musste seine einzige Niederlage gegen Mexiko hinnehmen, das nicht nur durch Gerüchte um zwei angeblich gedopte Spieler in die Schlagzeilen geriet, sondern vor allem wegen seines souveränen fußballerischen Auftretens.

Erst im Halbfinale mussten sich die Spieler vom Nord- und Mittelamerika-Meister geschlagen geben. Da sie gegen Argentinien erst im Elfmeterschießen verloren, zählt diese Niederlage dem Fifa-Regelwerk nach offiziell nicht als solche und die Mexikaner blieben auch im 21. Spiel hintereinander ungeschlagen - offiziell.

Zu Beginn der Partie im Leipziger Zentralstadion sah es danach aus, als könnten die Mexikaner auch den Gastgeber mit ihrem Spiel überraschen, das auf Laufbereitschaft und  hohem technischen Niveau basiert. Schon nach zwei Minuten fanden sie einen Weg durch die deutsche Abwehrkette, prüften Oliver Kahn im Tor dann jedoch genauso vergeblich wie zwei Mal kurz darauf. Bis die Klinsmann-Elf allmählich ins Spiel kam, vergingen etwa fünfzehn Minuten und fast so viele Beinschüsse durch die klein gewachsenen, dafür aber umso wendigeren und antrittsschnellen Mittelamerikaner.

Als Erster erarbeitete sich Lukas Podolski eine Torchance, bevor Sturmpartner Mike Hanke, der erstmals von Beginn an spielen durfte, mit seinem Schuss an die Latte für die größte Gefahr sorgte. In der 37. Minute erklärte Podolski mit seinem linken Fuß, was Franz Beckenbauer gemeint hat, als er ihn auf Neu-Deutsch einen guten "Finisher" nannte. Er brauchte nicht viele Chancen und bleibt ruhig vor dem Tor, auch wenn dieses wie in diesem Fall knapp zwanzig Meter entfernt stand und er aus dem Stand schoss - und zwar in den Winkel, nach Hackentrick-Vorlage Bastian Schweinsteigers. Die Freude über diese schöne Führung dämpfte zunächst Thorsten Frings mit einer Unachtsamkeit und danach Mexikos Stürmer Francisco Fonseca, der den Fehler zum Ausgleich nutzte.

Im Gegenzug sahen die Zuschauer, was sich die Deutschen  seit Turnierbeginn als Spezialität ausgedacht haben: Nämlich Gegentreffer schleunigst wegzustecken. Andreas Hinkel, der für  Arne Friedrich in die Mannschaft gerückt war, kurvte durch die mexikanische Abwehr, nahm den sinnvollen Umweg des Doppelpasses in den Strafraum, wo er Schweinsteiger bediente, der nur noch einzuschieben brauchte. Mit lang vermisster Dynamik, Übersicht und der Selbstlosigkeit eines Abwehrspielers vor dem Tor gelang eines der schönsten Turniertore.

Nach der Pause geschah zehn Minuten nichts, ehe Deutschland das Spiel in Unterzahl üben musste. Mike Hanke fühlte bei eigenem Eckstoß unsanfte Berührungen seines Gegenspielers und wollte sich dafür ebenso unsanft wie unnötig in der folgenden Situation revanchieren. Der Ball war weg, Hankes Contenance ebenfalls und Schiedsrichter Breeze zeigte Rot, als der Wolfsburger seinen Widersacher ungestüm umrannte. Für Mexikos Trainer La Volpe eine späte Genugtuung, hatten Spieler des Halbfinalgegners Argentinien für dramatischere Aktionen doch keine Verwarnung gesehen.