Vor Beginn des G8-Gipfels in Schottland hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder für einen vollständigen Schuldenerlass für die ärmsten Länder Afrikas ausgesprochen. Insgesamt würden diese Staaten dann um rund 56 Milliarden Dollar zusätzlich entlastet, schrieb Schröder in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel. Die Mittel sollten in Bildung und die soziale Infrastruktur investiert werden. "Dieser Erlass bleibt an gute Regierungsführung als Voraussetzung gebunden, denn nur so ist sichergestellt, dass der Schuldenerlass auch wirklich der Überwindung von Hunger und Armut dient", schreibt der Kanzler.

Im schottischen Gleneagles beginnt an diesem Mittwochabend der diesjährige G8-Gipfel, das Treffen der sieben größten Industriestaaten und Russlands. Auch ein Vertreter Chinas wird als Gast des Treffens erwartet. Der britische Premierminister Tony Blair hat als derzeitiger G8-Vorsitzender Entwicklungshilfe und Klimaschutz als Hauptthemen des Gipfels gewählt.

Durch die Live-8-Konzerte vom vergangenen Samstag verbinden sich vor allem mit dem Thema Afrikahilfe große Erwartungen. Unter anderem will Blair die Hilfsgelder für die ärmsten Länder stark erhöhen. Andere wichtige Gesprächsthemen sind der hohe Ölpreis , die iranischen und nordkoreanischen Atomprogramme und der Friedensprozess im Nahen Osten.

Schröder kündigte an, bei dem Treffen auch die wirtschaftlichen Belastungen durch die drastisch gestiegene Ölpreise anzusprechen. "Der Anstieg der Ölpreise beruht nicht allein auf erhöhtem Verbrauch. Nach Expertenansicht dient nur noch ein kleiner Teil der Handelsbewegungen an den internationalen Börsen der Versorgung mit Rohöl. Der größere Teil sei inzwischen ‚finanzmarktgetrieben' und damit rein spekulativ", kritisierte der Kanzler. Er wolle sich deshalb für mehr Transparenz, aber auch für einen effizienteren Umgang mit Energie einsetzen.

Als weiteres Thema nannte Schröder den Umgang mit hoch spekulativen Hedge-Fonds. Entscheidend sei, "dass sich alle Beteiligten an faire Spielregeln halten", schrieb Schröder. "In Deutschland ist es auf Grund des eher kurzfristig angelegten Engagements zu Entwicklungen gekommen, die die Stabilität von Unternehmen bedroht haben." Deshalb trete er für eine weltweit wirkungsvolle Aufsicht ein.