US-Präsident George W. Bush hat eine verbindliche Zusage für einen Abbau des Kohlendioxidausstoßes weiterhin abgelehnt. In einem Interview mit dem britischen TV-Sender ITV1, das am Montagabend ausgestrahlt werden sollte, sagte Bush, er werde sich bei dem G8-Treffen von Mittwoch bis Freitag in Schottland nicht zu einer rechtlich bindenden Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen verpflichten, wie sie im Klimaschutzprotokoll von Kyoto vorgesehen ist. Der Klimawandel ist neben der Armut in der Dritten Welt das wichtigste Thema des G8-Gipfels.Wie der Sender weiter mitteilte, deutete der US-Präsident jedoch Zugeständnisse bei der Bewertung der Ursachen für die Erderwärmung an. So habe Bush den Klimawandel als "bedeutendes, langfristiges Problem" bezeichnet, "mit dem man umgehen muss" und für das die Menschen in einem "gewissen Ausmaß" verantwortlich seien.Bush habe in dem Interview ferner deutlich gemacht, dass er in der Entwicklung neuer Technologien den Schlüssel zur Bekämpfung der Klimaerwärmung sehe. Er glaube, dass auch der britische Premierminister Tony Blair bereit sei, "über das Kyoto-Protokoll hinauszugehen", und auf neue Methoden zum CO2-Abbau anstelle von weiteren Reglementierungen setze, sagte Bush.Die Bundesregierung geht jedoch davon aus, dass sich die sieben führenden Industrienationen und Russland auf dem G8-Gipfel auf ein gemeinsames Dokument zum Klimaschutz verständigen werden. Das G8-Papier werde eine "Art Aktionsplan" sein. Darin werde eine "Referenz zu Kyoto erfolgen".Der Klimawandel ist neben der Afrika-Hilfe das Schwerpunktthema des diesjährigen G8-Gipfels unter britischer Präsidentschaft. Die USA haben als einziges G8-Land das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase nicht unterzeichnet. Entscheidend ist laut Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach, dass alle G8-Länder in einen gemeinsamen Aktionsplan eingebunden werden. Dies sei nicht ganz einfach, sagte er unter Hinweis auf die USA. Es sei wichtig, konkrete Zusammenarbeit und Verpflichtungen zu erreichen, "ohne dass die Amerikaner in die Ecke gestellt werden, sie aber quasi die Zielsetzung mittragen".In die Debatte müssten auch wichtige und stark wachsende Schwellenländer wie Indien und China einbezogen werden, die auf dem G8-Gipfel ebenfalls vertreten sein werden. Auch diese müssten angesichts ihrer Rohstoffnachfrage und Umweltbelastung zunehmend einen Beitrag leisten, um das Thema Klimawandel ernst zu nehmen. Schon heute entfielen 45 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf Schwellen- und Entwicklungsländer mit steigender Tendenz.