Wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten. Nun sind es doch die Briten, die triumphieren, während Frankreich als der Verlierer dasteht. Bis zuletzt hatte niemand ernstlich damit gerechnet hatte, dass London dem klar favorisierten Paris die Olympiade 2012 doch noch vor der Nase wegschnappen werde. Allerdings hatten die Londoner Buchmacher in den letzten Tagen die Quoten zugunsten ihrer Stadt herabgesetzt. Den bookies sagt man ja nach, dass sie ein hochentwickeltes Gespür für atmosphärische Veränderungen besäßen. Warum die Mehrheit der Delegierten des IOC sich gegen Paris und für die britische Metropole entschied, dürfte Anlass zu fröhlicher Spekulation geben.

Die Olympiapläne der beiden Rivalen, die in die Stichwahl gelangten, standen sich in nichts nach. Sie sind gleichermaßen ehrgeizig und teuer. Am Ende könnten andere Faktoren den Ausschlag gegeben haben, die Präsentation, politische Sympathien und Antipathien, ob gegen Länder oder Regierungschefs, hoffentlich aber nicht geldliche Zuwendungen oder andere unlautere Versuche, die Gunst der Delegierten zu gewinnen. Spekuliert wird derzeit, ob die beiden finnischen Repräsentanten bei der Abstimmung vielleicht ins Lager von London umgeschwenkt seien, weil sie Chiracs jüngste kulinarische Äußerungen verärgert hätten. Der französische Präsident hatte im lockeren Tafelgespräch mit Schröder und Putin nicht nur die englische und die schottische Küche für ziemlich ungenießbar erklärt, sondern im gleichen Atemzug Finnlands Küche für noch schrecklicher befunden.

In Großbritannien hatte man lange gefürchtet, der Irakkrieg werde sich gegen London auswirken, zumal unter den Delegierten aus Drittweltländern. Was immer den Ausschlag gab, ob die Briten mit David Beckham die alles überstrahlende Celebrity aufbieten konnten oder mit dem ehemaligen Mittelstreckenrekordler Sebastian Coe den eindrucksvolleren Teamchef besaßen – am Ende hatten sie die Nase vorn. Im Wettbewerb der Politiker aber sieht Tony Blair immer mehr wie ein Gewinner aus. Zwei Jahre lang schrieben ihn kontinentaleuropäischen Medien und Staatskanzleien runter und ab. Nun entpuppt sich der Premier als das Glückskind unter Europas angeschlagenen Staatsmännern. Erst der dritte Wahlsieg, dann die Europakrise, in der das britische Modell vielen plötzlich als vorbildlich erscheint, und nun auch noch die Trophäe der olympischen Spiele 2012. Sollte der Gipfel der G8-Staaten auch noch handfeste Resultate erbringen, wäre das die Krönung seiner politischen Renaissance.

Sein Rivale in Paris sieht dagegen wie ein Verlierer aus – die Ohrfeige beim Referendum, der dramatische Popularitätsverfall und nun auch noch die Olympiaschlappe. Tony Blair hatte auf Chiracs undiplomatisches Tafelgeflüster gelassen reagiert und am vergangenen Dienstag erklärt, er werde dem franzöischen Präsidenten beim G8-Gipfel in Gleneagles sein herzliches Beileid ausprechen, sollte Paris nicht die Spiele 2012 gewinnen. Man kann sich vorstellen, wie gerne er dieser Pflicht nachkommt. Für Chirac aber wird es noch schlimmer kommen. Er muss nun zu allem Übel auch noch Tagelang die Spezialitäten der von ihm so gefürchteten schottischen Küche über sich ergehen lassen. Nur Haggis werden die britischen Gastgeber ihm wohl ersparen.