Die Verantwortlichen in Madrid hatten so etwas fast befürchtet. Seit Wochen hatte die Polizei die Standorte der geplanten Olympiastätten in der spanischen Hauptstadt überwacht, damit nicht im letzten Augenblick ein Terroranschlag die Aussichten für die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 trüben konnte. Elf Tage vor der entscheidenden Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 6. Juli in Singapur ist es dann doch passiert.

Ausgerechnet vor dem "La Peineta"-Stadion, das die Madrilenen zu ihrem Olympiastadion ausbauen wollen, zündete die baskische Untergrundorganisation Eta eine Autobombe. Niemand wurde verletzt, und es gab keine nennenswerten Schäden. Dennoch bereitete die Bombe den Olympia-Bewerbern einen gehörigen Schock. "Eta traf das Epizentrum der Madrider Olympia-Kandidatur", schrieb das Sportblatt Marca .

Die Rauchsäule, die sich nach der Explosion über dem Leichtathletik-Stadion erhob, war in den Fernsehnachrichten in aller Welt zu sehen. "So etwas ist für eine Kandidatur nicht förderlich", befürchtet der frühere IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch. "Aber das Wichtigste ist, dass es keine Toten gab." Der Anschlag werde für die Madrider Bewerbung eine "relative Bedeutung" haben.

Die spanischen Politiker waren darauf bedacht, die möglichen Folgen herunterzuspielen. "Der Anschlag wird nicht den geringsten Einfluss auf die Entscheidung des IOC haben", versicherte Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón. IOC-Präsident Jacques Rogge sagte: "Der Terrorismus ist ein weltweites Problem. Das wissen auch die IOC-Mitglieder. Kein Land kann eine Oase des Friedens sein."

Rogges Vorgänger Samaranch erinnerte daran, dass es vor den Spielen 1992 in Barcelona eine Serie von Eta-Anschlägen gegeben hatte. In jenem Jahr verübte die Organisation in Spanien 45 Mordanschläge. "Aber dann gingen die Spiele über die Bühne, ohne dass das Geringste geschah", sagte der IOC-Ehrenpräsident.

Heute ist Eta viel schwächer als damals. Die Polizei nahm in den vergangenen Jahren Hunderte von Mitgliedern fest und zerschlug fast alle Kommandos. "2012 wird ETA so schwach sein, dass sie nur noch in der Erinnerung fortbestehen wird", prognostiziert das Sportblatt As .