Es sind stets diejenigen Handlungen illegal, die von Polizei und Justiz verfolgt werden. Diese Rechtstheorie, genannt labeling approach, klingt ein wenig zirkulös, erweist sich aber als nützlich. Sie hilft beispielsweise, eine Institution wie den Verfassungsschutz zu begreifen. Die Notwendigkeit seiner Existenz mag wohl begründet sein - die schiere Tatsache dieser Existenz jedenfalls macht aus der Behörde ein Instrument, den Diskurs einzuschränken: Wer vom Verfassungsschutz beobachtet wird, darf nicht mitreden. Observiert heißt abserviert.

So viel zur Theorie. Nun die Praxis: Der Bild-Zeitung hat Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) gesagt, Lafontaine sucht offenbar bei den Neonazis seine Wähler. Wenn er so weitermacht, könnte das ein Fall für den Verfassungsschutz werden.

Schönbohm kann das nicht ernst gemeint haben. Denn die Anweisung, die WASG zu observieren, müsste gerade in Brandenburg ein unentwirrbares Durcheinander anrichten. Wie man weiß, unterwandern Schönbohms Verfassungsschützer aus gewiss guten Gründen bereits die NPD. Die wiederum, davon war zu hören, unterwandert ihrerseits die WASG. Wenn nun aber auch noch der Verfassungsschutz die WASG unterwandert, dann könnte es eines Tages dazu kommen, dass brandenburgische Undercover-Beamten auf Lafontaines Vorstandssitzungen einander wechselseitig observieren.

Das kann ja niemand wollen. Wie also ist Schönbohm zu verstehen? Hier hilft die Theorie: Lafontaine soll nicht mitreden dürfen. Doch da ist wiederum die Bild-Zeitung vor.