Den Repliken kann ich sachlich kaum etwas hinzufügen. Hans-Ulrich Treichel hat das Manifest als rhetorische Schaumschlägerei entlarvt, Andreas Maier hat in nobler Nüchternheit seinen poetischen Ansatz verteidigt.

Die Zeit der Manifeste, Gruppen- und Programmhuberei ist längst vorbei. Und auch damals, in den sechziger/siebziger Jahren, gab es in der deutschen Literatur nicht wegen, sondern eher trotz dieser Programmatik Literatur, die ihre Zeit überlebt hat: zum Beispiel Ernst Jandl, im Unterschied zur sterilen Textproduktion der Programmatiker. Und die ewig eingeforderte Liaison von Moral und Ästhetik, eine Idée fixe seit der deutschidealistischen Tradition, kommt selten dem ästhetischen Profil des Textes zugute, sondern führt meist zu Krypto-Publizistik oder Geschichtspädagogik im fiktionalen Gewand. Ein Schriftsteller sollte seine Welt entdecken und gestalten und sich nicht für die Welt oder die Gesellschaft verantwortlich fühlen - dafür gibt es genügend andere Diskurse. Er muss es sich leisten, das ist sein Privileg und Luxus, einfach zu schreiben, ohne dabei für oder gegen etwas zu sein - Autoren weltliterarischen Kalibers haben das auch immer getan. Ästhetisch Gültiges steht ohnehin für sich selbst und braucht keine Beglaubigung durch ein Anliegen oder eine Gesinnung.

DR. WILLI HUNTEMANN, KRAKAU/POLEN