Kommt es zu Neuwahlen, wird sie die Union mit Angela Merkel gewinnen. Dem Bundeskanzler wird ein ehrenvoller Abgang bleiben. Für die SPD bedeutet dies eine Katastrophe. Die Partei wird in das tiefste Loch ihrer Geschichte fallen: So gut wie alle Machtpositionen sind verloren. Es herrscht ein eklatanter Mangel an Führungspersonal und Kompetenz. Diejenigen Minister, die erhobenen Hauptes aus dem Amt scheiden können, haben schon heute in der SPD keinen Einfluss mehr.

Seit 1989 hat die SPD mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder verloren und ist überaltert. Nicht nur die finanziellen Konsequenzen sind klar. Den Generationswechsel hat die CDU weitaus besser bewältigt. Die klassischen Zielgruppen der SPD sind verführbar geworden. Das haben uns die DVU, die NPD und Herr Schill vorgeführt. Das Rattenfängerduo Gysi/Lafontaine wird es auch so machen. Die Neue Mitte aber hat sich wieder abgewendet.

2005 wird die SPD daher tiefer einbrechen als 1982. Eines aber wiederholt sich: Alle sozialdemokratischen Regierungschefs - Müller, Brandt, Schmidt und Schröder - sind auch an den eigenen Reihen gescheitert. Und immer sind es diejenigen gewesen, die unter selbstgefälliger Inanspruchnahme der Seele der SPD ihren Kanzlern das Regieren erschwert und schließlich unmöglich gemacht haben.

Damit sich die SPD wieder erholen kann, muss sie zu sich finden, nicht zurückfinden. Sozialdemokraten werden immer Anwälte der sozialen Gerechtigkeit sein. Das geht aber nur, wenn man endgültig begreift, dass es diese ohne ökonomische Vernunft nicht geben kann. Solange man an die Segnungen staatlicher Eingriffe und eines ausufernden Wohlfahrtsstaates glaubt, bleibt die SPD zur Machtlosigkeit verdammt.

Zu Beginn der Amtszeit Gerhard Schröders hatte das Schröder/Blair-Papier gestanden. Doch in Deutschland ist es nie zum Drehbuch sozialdemokratischer Politik geworden. Nicht nur Lafontaine, sondern auch erhebliche Teile der SPD verhinderten dies.

Struck und Schily haben auf die veränderte Welt nach dem 11. September 2001 richtig reagiert. Auch sie haben sich in der Partei mühsam durchsetzen müssen. Schließlich hat der Bundeskanzler mit der Agenda 2010 einen Kraftakt gewagt. Die SPD aber hat in ihrer Mehrheit auf die Agenda 2010 defensiv reagiert, bis ihr die Kapitalismusdebatte die erneute Flucht aus der Wirklichkeit erlaubte.

Wird die SPD unter den auf sie einstürmenden Schwierigkeiten zerrieben? Damit das nicht passiert, muss einiges geschehen: Deutschland wird sich dem weltweiten Wandel stellen müssen. Und wenn sich sozialdemokratische Träume nicht mit der Wirklichkeit vertragen, müssen sie aufgegeben werden.