Der Hamburger läuft im Regen und wartet auf Sonne." Mit diesen Worten beginnt normalerweise das Layout der ZEIT eine Seite zu erstellen, während der Autor noch an seinem Artikel feilt. Der so genannte Blindtext. Wer in Hamburg wohnt, weiß, dass der Blindtext mitten aus dem Leben gegriffen ist. Ich bin nicht nur im Regen gelaufen, sondern auch gefahren. In einem Cabrio.

Es ist zwölf Jahre her, dass ich das letzte Mal in einem offenen französischen Auto saß. Da war ich mit meiner Frau auf dem Weg zum Standesamt. Ein Citroën 2CV war unser Hochzeitsauto. Ich war gespannt, wie sich die französische Fahr- und Lebensweise in einem Renault Cabriolet des Jahres 2005 anfühlt.

Autoschlüssel? Nur durch einen Knopfdruck an der Türklinke erhalte ich Zugang zum Wageninneren. In meiner Jackentasche befindet sich eine "Keycard Handsfree".

Bis ich die Bestuhlung richtig eingestellt habe, vergehen einige Minuten. Das ganze Interieur wirkt großzügig, edel und top verarbeitet. Um den Motor zu starten, muss ich nur die Kupplung treten und den Startknopf drücken. Vorsichtig löse ich den Handbremshebel, der dem Auslöser eines Schleudersitzes ähnelt. Der Helligkeitssensor sorgt ohne mein Zutun für eine beleuchtete Ausfahrt aus der Tiefgarage. Geht ja alles leicht von der Hand. Ich hatte schon meine Bedenken. Sonst fahre ich nur spartanisch ausgestattete Autos.

Soll ich? Der Außentemperaturanzeige entnehme ich, dass es elf Grad sind in Hamburg. Durch das Glasdach blicke ich in den üblichen wolkenreichen Himmel. In 22 Sekunden, verspricht der Hersteller, soll sich das Coupé in ein Cabriolet verwandeln. Ein Wert, der wichtiger ist als die Beschleunigung von null auf hundert. Nach 22 Sekunden ist das Dach noch immer geschlossen. Auf einer Anzeige in den Armaturen sehe ich eine Mitteilung des Bordcomputers: "bitte die Bedienungsanleitung lesen". Wie bei einer Software muss ich also erst einmal das Read Me lesen, bevor ich an den Knöpfen spiele, also fahre ich geschlossen nach Hause. Irgendetwas im Kofferraum war nicht richtig eingehakt.

Ich konsultiere das circa 200 Seiten starke Handbuch. Daneben befinden sich noch ein paar CDs für das Navigationssystem, eine Anleitung für das mitgelieferte Mobiltelefon inklusive Freisprechanlage und ein Handbuch für das Autoradio mit CD-Wechsler. Insgesamt circa 350 Seiten Lektüre. Glücklicherweise muss ich keine Software installieren.

Ich lese nur die Faltpappe zur Schnelleinweisung. Wäre doch gelacht, wenn sich die Technik nicht ganz intuitiv erschließen ließe. Und so ist es. Man findet sich im Mégane sehr schnell zurecht, die Knöpfe sind übersichtlich angebracht und lenken nicht vom Verkehr ab. Da der Mai in diesem Jahr zumindest in Hamburg nicht gerade als Wonnemonat gelten konnte, war es von Vorteil, ein Cabriolet ohne "Stoffmütze" zu testen. Das Renault Mégane Coupé-Cabriolet vereinigt zwei Modelle in einem. Geschlossen ist es ein vollwertiges Auto – und offen ein richtiges Cabrio.

Auf der Suche nach Sonnenschein trieb es uns über Pfingsten von Hamburg bis ins Elsass. Durch das Glasdach, das auch geschlossen viel Licht ins Fahrzeug lässt, hatten wir freie Sicht in die Wolken, der Regensensor für die Scheibenwischer sorgte für klare Sicht nach vorn. In puncto Komfort war der Weg in den Süden eine reine Freude.