Der durchschnittliche BASF-Manager neigt zur Vorsicht. Überall in den Chemiewerken, selbst im Vorstandsgebäude, hängt an Treppengeländern der Hinweis "Handlauf benutzen". Die Arbeitnehmervertreter schätzen diese Fürsorge – normalerweise. Doch als die Bosse nach den Terroranschlägen 2001 die Welt und ihre Geschäfte bedroht sahen und dem Konzern vorsorglich eine Radikalkur nach der anderen verordneten, erschraken sie doch. 450 Millionen Einsparungen jährlich allein am Stammsitz in Ludwigshafen! "Eine sehr kühne Zahl!", fand Betriebsratschef Robert Oswald damals.

Inzwischen hat der Chemiekonzern weltweit gut 10000 Stellen abgebaut, fast 4000 davon in Ludwigshafen. Und die Stimmung dort ist besser denn je. Diese Woche verkündete BASF-Boss Jürgen Hambrecht, dass er das ehrgeizige Sparziel sogar übererfüllt hat: Die Kosten liegen um 480 statt um 450 Millionen Euro niedriger. Und es soll weiter gespart werden. Denn selbst sein Betriebsratschef ist inzwischen überzeugt: "Ohne das Projekt hätten wir langfristig wesentlich weniger Arbeitsplätze in Ludwigshafen."

Die Stimmung ist gut, weil es im Weltreich von BASF auch viel Wachstum gibt. Erst kürzlich hat der Chemieriese nach langjährigen Bemühungen an den Ufern des Jangtse in China 220 Hektar voll blank polierter Leitungen unter Dampf gesetzt. Das Verbundwerk in Nanking – die größte Einzelinvestition in der 140-jährigen Firmengeschichte – macht BASF in Asien zum bedeutendsten ausländischen Investor der Branche.

Auch in Russland hat BASF jüngst gepunktet – mal wieder. Bei der Hannover-Messe verkündete Hambrecht im Beisein von Kanzler Gerhard Schröder und Präsident Wladimir Putin, dass BASF zusammen mit dem russischen Konzern Gazprom ein riesiges Gasfeld ausbeuten will. 15 Jahre währt die Freundschaft zu den Russen nun schon, seit BASF die Lieferverträge der untergegangenen DDR übernahm. Anfangs ging es dem größten Gasverbraucher der sich vereinigenden Republik darum, sich vom westdeutschen Monopolisten Ruhrgas unabhängig zu machen. Doch inzwischen sichern die Ludwigshafener nicht nur die eigene Versorgung. Als Händler machen sie den Energieriesen sogar Konkurrenz. Just um das Gasfeld, das BASF nun in Sibirien verwerten will, hatte vorher die Ruhrgas-Mutter E.on verhandelt.

Typisch BASF: sparsam, vorausschauend und übervorsichtig. Das mit einem Umsatz von 37,5 Millarden Euro größte Chemieunternehmen der Welt lädt dazu ein, es zu unterschätzen – nur um im letzten Moment doch an allen vorbeizuziehen.

Die deutsche Chemiekonkurrenz hat der Konzern schon lange abgehängt. Vor zehn Jahren noch lieferten sich BASF, Bayer und Hoechst ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dann war in der Branche das feine Pharmageschäft plötzlich höher angesehen als die grobe Chemie. Hoechst in Frankfurt etwa spaltete alles ab, was nicht in Pillenschachteln zu vermarkten war, und tat sich mit dem französischen Arzneikonzern Rhône-Poulenc zu Aventis zusammen. Doch bald stellte sich heraus, dass der Nachschub an neuen Arzneien fehlte. Vor einem Jahr dann wurde das Erbe von Hoechst vom Wettbewerber Sanofi übernommen. Auch Bayer suchte lange nach einem Partner. Zu lange. Als die Leverkusener im Sommer 2001 ihren Cholesterinblocker Lipobay wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen mussten, wurden sie zum Sanierungsfall.

Übrig von den "großen Drei" der deutschen Chemie blieb BASF. Die Ludwigshafener machten es anders als der Rest. Weil sie ihre Arzneisparte zu klein fanden, wurde sie mitten in der Pharmaeuphorie für gutes Geld verkauft, dafür investierte man in das, was BASF am besten beherrscht – Chemie. Das Schwimmen gegen den Strom hat sich gelohnt. 2004 machte BASF nach Steuern einen Gewinn von zwei Milliarden Euro.

Allerdings muss sich das Unternehmen seither mit der internationalen Konkurrenz messen. Das ist nicht einfach. Da können die Pfälzer ihre Produkte noch so erfolgreich rund um den Globus verkaufen, an den Kapitalmärkten haben sie es schwer. Die werden von amerikanischen Anlegern dominiert, welche am liebsten in US-Unternehmen investieren.