"Auch das Verwaltungsverfahren ist unglaublich bürokratisiert, und der zusätzliche Arbeitsaufwand wird nicht vergütet", bedauert Menges. Pro Kursteilnehmer und Unterrichtsstunde erhalten die Sprachschulen 2,05 Euro vom BAMF, das reiche gerade für die Vergütung der Dozenten, nicht aber für die Anmietung zusätzlicher Räume oder die vielen zusätzlichen Stunden, die benötigt würden, um den Bewerbern bei den komplizierten Anmeldeprozeduren zu helfen.

Tatsächlich sind die neuen Bestimmungen äußerst verwirrend. In erster Linie richten sich die Integrationskurse an Neueinwanderer, die nicht aus der EU stammen, sowie an Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa. Angehörige beider Gruppen können sich bei den Ausländerbehörden beziehungsweise beim Bundesverwaltungsamt (für Aussiedler) in Friedland eine Berechtigung zur Kursteilnahme ausstellen lassen. Aussiedler werden von den Gebühren befreit, Neueinwanderer müssen pro Unterrichtsstunde einen Euro bezahlen, es sei denn, sie sind arbeitslos oder beziehen Sozialhilfe. In diesem Fall werden auch ihnen die Unterrichtskosten erlassen, dafür werden sie dann jedoch von den Ausländerbehörden zur Kursteilnahme verpflichtet.

Die dritte Gruppe, die zur Teilnahme an den Integrationskursen berechtigt ist, sind die so genannten Bestandsausländer – Einwanderer, die schon seit vielen Jahren in Deutschland leben, aber die Sprache nicht beherrschen. Wenn sie sich für die neuen Sprachkurse freiwillig einschreiben möchten, müssen sie bei den Regionalstellen des BAMF einen Antrag stellen. Werden sie dagegen zur Kursteilnahme verpflichtet, laufen die Maßnahmen wiederum übers Ausländeramt, das sogar die Kürzung der Sozialhilfe veranlassen oder die Abschiebung androhen kann, wenn die "Pflichtschüler" den Unterricht schwänzen.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge spielt die Kritik der Sprachschulen herunter und rechtfertigt den Verwaltungsaufwand mit dem Argument, dass es sich schließlich um Steuergelder handle, weshalb man alles tun müsse, um möglichen Missbrauch zu verhindern. Die hohe Zahl der Teilnehmer – knapp 100.000 Personen hatten sich bis Ende Mai für einen Integrationskurs angemeldet oder eine Berechtigung erhalten – übertreffe bei weitem die Erwartungen und sei schon an sich ein Erfolgsbeweis.

"Wir arbeiten eng mit den Sprachträgern zusammen und bemühen uns, die Kurse noch zu verbessern", sagt Felizitas Graute von der Pressestelle des BAMF. "Anlaufschwierigkeiten gibt es schließlich überall."