Seine Mundwinkel werden von der Melancholie des Desperados beschwert. Vom Wissen um die eigene Besiegbarkeit, um das Leben als Hetzjagd, als Anfang vom Ende. Die Stirn über den eiswasserblauen Augen ist etwas zu niedrig, um edel zu wirken. Zum strahlenden Volkshelden fehlt ihm die große Mission. "It's me and the system", sagt Steve McQueen in einem Film auf die Frage, warum er die Bankräuberei nicht lassen kann, und umreißt damit die Privatideologie des stilvollen Individualisten.

McQueen, das ist das tragische Pokerface in Cincinatti Kid, der hartgesottene Feuerwehrmann in Flammendes Inferno, der spöttische Westernheld in Die glorreichen Sieben und der ausbruchsversessene Häftling in Papillon. Die Figuren, die er scheinbar ohne jede Anstrengung entwirft, sind einsame Gestalten von großer Tatkraft und gebrochener Moral. Anarchisten, die nur die Distanz zwischen sich und dem nächsten Triebziel überwinden. Sie träumen vom Unerfüllbaren, davon, sich mit großkalibrigen Feuerwaffen das Bürgerrecht auf Freiheit, Ungestörtheit und eine Portion Wohlstand zu erstreiten – mit einer unglaublichen Coolness, die McQueen wie kein anderer aus der Ökonomie seines Blicks und seiner Bewegungen zieht.

Dass seine Popularität in der Zeit von Vietnam bis Watergate ihren Höhepunkt erreichte, ist sicher nicht zufällig. Schließlich stand er für einen fast schon verzweifelten Individualismus, der die Dinge lieber selbst in die Hand nimmt, als auf Gott und den Gang der Dinge zu vertrauen. Seine Biografie war selbst schon eine Art Überlebensmythos: Das ehemalige Heimkind, das mit 13 Autos knackte, als Laufbursche im Bordell arbeitete, später als Marine-Soldat vor allem Disziplinarstrafen sammelte, erfüllte sich einen Kindheitstraum und fuhr als Rennfahrer mehr als tausendmal durchs Ziel. Passenderweise bescherte McQueen als Detective Bullitt, der 1968 in den Straßen von San Francisco Verbrecher jagte, der Filmgeschichte eine bis heute unübertroffene zwölfminütige Verfolgungsjagd in einem von ihm selbst gesteuerten Ford Mustang. Um nicht wie James Dean am Geschwindigkeitsrausch zugrunde zu gehen, trug er als Rennfahrer stets Asbestwesten (die ihm vermutlich den Lungenkrebs einbrachten, an dem er mit 50 Jahren starb).

Doch Steve McQueen, dem Warner Bros. jetzt eine siebenteilige DVD-Collection widmet, ist nicht nur der schillernde Held eines vollkommenen Männertraums von schnellen Schlitten und rauchenden Colts. Sondern einer, der trotz jäh aufschießender Gewaltbereitschaft auch mit der Fähigkeit zu unbedingter Hingabe, ja Zartheit ausgestattet ist. Man muss sich nur erinnern, wie er sich in Getaway auf einer Müllhalde, gehetzt von Polizei und Gangstern, die Zeit nimmt, seine angeschlagene Liebe zu Ali McGraw zu restaurieren. Wenn die beiden von oben bis unten verdreckt, eng umschlungen und von der aufgehenden Sonne umsäumt, über die Abfallhügel schlendern, ist das von einer wunderbar wüsten Romantik, die es im Kino kaum je wieder gegeben hat.