Für mich bedeutete dieser Tag erst mal gar nichts. Abends in den Nachrichten sah ich dieses rothaarige Bürscherl mit irgendeinem Pokal in der Hand. Ich verstand die Aufregung nicht, ich hatte keine Ahnung von Tennis und dachte nur defätistisch: Dieser Typ wird ganz schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden. So viel zu meiner Fähigkeit, Zeitphänomene einzuschätzen.

Nun könnte man meinen, was ich hier in diesen Erinnerungstexten zu suchen habe, wo doch da beinahe nichts ist. Nun, weil ich erzählen kann, was dieses Medienereignis trotzdem aus mir gemacht hat. Ein Jahr später habe ich das nächste Wimbledon-Turnier schon im Fernsehen angeschaut, drei Jahre später kaufte ich einen Tennisschläger, und noch ein paar Jahre darauf schlug ich mir eine ganze Nacht um die Ohren, nur um den Sieg von Boris Becker gegen John McEnroe mitzuerleben. Im Nachhinein bin ich eigentlich ganz froh, dass ich nicht die Kraft hatte, mich diesem Medienrummel zu widersetzen.