Darum braucht es, wenn mir das Vertrauen der Mehrheit versagt bleibt, das Urteil des Souveräns: des Volkes. (Gerhard Schröder)

Der Kanzler hat sein Schicksal in unsere Hände gelegt. Und was tut das Volk?

Es feiert. Ausgerechnet in Hannover, Schröders Heimatstadt. Schützenfest. Das größte der Welt. 12 000 Schützen, 2 Millionen Besucher. Vier Stunden steht das Volk am Sonntag bei drückender Hitze an der Straße und schaut seinen Truppen zu, der Schützengilde zu Clenze, dem Musikzug der Hebbelstadt Willburen, den Hannoveraner Fleischfachverkäuferinnen, die in adretten Schürzen Fähnchen verteilen: Fleisch und Wurst - der absolute Sommerhit.

Das Volk trinkt Bier und schwitzt es wieder aus. Es erbricht sich neben Notarztwagen, trägt Windjacke und bunt bedruckte Hemden, die Blinde wieder sehend machen (und umgekehrt). Es macht Musik, und sei es nur nach Zahlen auf der Ventilposaune. Es ist mit sich selbst im Reinen und zeigt ungeniert die größten Unfälle der deutschen Haarkunstgeschichte als Festfrisuren vor. Es denkt praktisch und bringt Klappstühle, Stehtische, Partyfässer mit. Es findet Kleingärten geil, jedenfalls steht das auf den T-Shirts des Lerchenlust e. V. Es schleppt sich sogar an Krücken im Festumzug mit, das Volk.

Und die deutsche Misere? Wer will, kann sie sehen, in den zahllosen Flaschen Billigbier, die das Volk bei AldiPennyLidl kauft und mitbringt zum Fest, statt 0,3 Liter für 2,50 Euro am Stand zu kaufen. Wer will, kann sie hören im Jubel, der den Hannoveraner Köchen entgegenschlägt, als sie von ihrem Festwagen aus kostenlos Gulasch verteilen. Die mobile Suppenküche for President!

Das Volk feiert sich selbst. Der Einbruch war letztes Jahr, sagt die Managerin vom Gilde-Festzelt, wo die Bands Dick und Durstig heißen und schon am Mittag Polonaise getanzt wird. Heute sind wir ausreserviert, 2000 Plätze, gestern ging es bis um 5 Uhr in der Früh, man muss ja auch mal vergessen dürfen. Der Umsatz bleibt Betriebsgeheimnis.

Und was denkt das Volk? Über seinen Kanzler? Natürlich schlägt die Rezession durch. Aber wir sind überparteilich, sagt die Dame von der Achterbahn.