Es gibt in diesem Sommer keinen schöneren Platz als einen Biergarten, in dem man seine Mitmenschen dabei belauschen kann, wie sie bei ein paar halben Litern die jüngsten Katastrophen beklagen. Dass die Regierung gescheitert sei - dass Benzin unverschämt viel Geld koste und dass alles überhaupt keinen Spaß mehr mache, wenn die Mehrwertsteuer steigt. Solche Gespräche laufen immer gleich ab: Beim dritten Bier ist man sich einig, dass früher alles besser war. Es folgt ein depressiver Moment, und spätestens dann erzählt irgendjemand das Gleichnis vom Glas. Welches hierzulande bekanntlich stets halb leer ist, nicht etwa halb voll wie überall sonst auf der Welt, vor allem in Amerika. Dabei wird übersehen, dass es weniger auf das Glas ankommt als auf seinen konkreten Inhalt. Denn wie will man sonst abschätzen, ob man nach einem weiteren Schluck selbst noch leer, in etwa halb voll oder schon komplett betrunken sein wird?

Es ist typisch deutsch: Man analysiert mit wissenschaftlicher Präzision, wie schlecht es einem geht. Dazu hat das Management-Zentrum der Universität Witten/Herdecke kürzlich sogar ein Depressionsbarometer vorgestellt, um den Grad deutscher Verzweiflung zu messen. Vor ein paar Tagen lag der Wert knapp über der Grenze, ab der man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

Das Volk auf die Couch? Ab morgen ist das bestimmt keine Kassenleistung mehr.