Allzu wichtig nehmen soll man sich zwar nicht, aber in meinem Fall ist es so: Es gibt niemanden, der größeren Einfluss hat im deutschen Sport als ich. Erst fiel es mir nur an Kleinigkeiten auf. Wenn ich aufs Klo gehe, fallen die Tore. Immer. (Es funktioniert nur nicht, wenn ich aufs Klo gehe, damit ein Tor fällt.) Mit Bierholen ist es dasselbe. Aber das ist längst nicht alles.

Ich bin all die Jahre noch mal durchgegangen und muss sagen: Ich habe alle großen Momente verpasst, und bei allen Katastrophen war ich dabei.

1982 zum Beispiel, Fußball-WM in Spanien, Halbfinale in Sevilla, Deutschland gegen Frankreich. Es stand 1 : 1 zur Halbzeit, da musste ich ins Bett. Danach soll Klaus Fischer einen sagenhaften Fallrückzieher in den Abendhimmel gezwirbelt haben (ich habe nie, nie, nie einen Fallrückzieher von Fischer gesehen!), es muss auch noch ein Elfmeterschießen gegeben haben, am Ende stand es 8 : 7.

Das Endspiel durfte ich dann gucken. Italien gewann 3 : 1.

So war es immer. Guckte ich nicht, siegte Deutschland im Elfmeterschießen gegen Frankreich, England, Mexiko. Guckte ich doch, verlor Deutschland gegen Algerien. Im Jahr 2000 war ich sogar als Reporter bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden dabei: ein Tor, ein Punkt, Aus in der Vorrunde. Das Turnier gilt noch heute als Tiefpunkt in der Geschichte des deutschen Fußballs, und ich weiß, warum. Seit ich Jan Ullrich bewundere, gewinnt Lance Armstrong die Tour. Michael Schumacher konnte nur deshalb zigmal Formel-1-Weltmeister werden, weil ich ihm nie zusah. (Und mein Wirken reicht noch über den Sport hinaus: Als meine Eltern einmal ohne uns Kinder in die USA reisten, bebte an dem Tag, an dem sie in Kalifornien in geradezu tektonischer Spannung die Sankt-Andreas-Spalte besichtigten, prompt die Erde.

Bei uns zu Hause in Nordrhein-Westfalen. Aber das nur nebenbei.)

1985 jedenfalls war ich mit ihnen im Urlaub. Wir segelten in einem kleinen Kajütboot durch die dänische Ostsee. Jeden Tag ein anderer Hafen und in jedem Hafen eine Bild. BORIS! JAAAA! DU SCHAFFST ES! Die Bild kauften damals aber allenfalls Motorbootfahrer. Ich habe immer versucht, sie beim Brötchenholen nicht zu lesen. Leider hat sich Becker nie bei mir dafür bedankt.