DIE ZEIT: Wir stehen vor Neuwahlen. Welchen Wunsch haben Sie an die neue Regierung?

Ernst-Ludwig Winnacker: Ich würde mir wünschen, dass in Zukunft ein Wissenschaftler von hervorragendem Ruf mit am Kabinettstisch sitzt.

ZEIT: Was sollte der tun?

Winnacker: Er berät die Regierung in allen wissenschaftlichen Fragen. Dieser Rat gilt nicht nur dem Bundeskanzler, sondern muss das ganze Kabinett durchdringen, vordringlich Ressorts wie Umwelt, Verkehr, Energie, aber auch Wirtschaft und Gesundheit. Dieser Berater hätte eine doppelte Funktion: Er sorgt zum einen dafür, dass die Belange der Wissenschaft berücksichtigt werden, und garantiert zum anderen, dass die Wissenschaft, wo sie die Regierungspolitik berührt, gute Wissenschaft ist und keine Ideologie.

ZEIT: Ist das nicht Aufgabe des Forschungsministers?

Winnacker: Der Wissenschaftsminister hat ein politisches Amt. Er oder sie muss Entscheidungen treffen, neue Initiativen durchsetzen und Geld verteilen.

Der Chief Scientific Adviser dagegen, so heißt es in Großbritannien, gibt Anregungen, hebt den Finger und sagt: Passt auf, da vergesst ihr etwas. Oder: Vorsicht, da schadet ihr der Wissenschaft.