Ich bin davon überzeugt, dass der Herr Bundespräsident die richtige Entscheidung treffen wird. (Gerhard Schröder)

Es ist Montag und recht heiß in Berlin. Meine Aufgabe: Ich soll die politischen Vorgänge am Amtssitz des Bundespräsidenten beobachten und werten.

Das Büro, in dem Horst Köhler zurzeit über die Neuwahlfrage nachdenkt, befindet sich in der Nähe der Siegessäule. Es ist kein guter Ort zum Nachdenken. Schloss Bellevue, gleich nebenan, wird unter nicht unbeträchtlichem Baulärm renoviert. Das Präsidialamt ist außerdem schwarz, eine ungünstige Farbe bei Hitze. Auf dem Mittelstreifen der Straße steht das vertrocknete Gras bis in Kniehöhe. Genau gegenüber vom Präsidialamt beginnt der Tiergarten, dort steht ein Schild mit der Aufschrift: Grillgebiet.

9.35 Uhr. Zwei Arbeiter tragen ein großes Flipchart, etwa zwei auf ein Meter, in das Präsidialamt hinein. Auf einem Flipchart trägt man mit dem Fettstift Denkmodelle und Diagramme und solches Zeug ein. Horst Köhler hat ein Flipchart bestellt. Er macht es sich nicht leicht.

9.45 Uhr. Eine schwarze Limousine fährt in das Präsidialamt hinein. Dunkle Fenster. Wenig später folgt ein zweiter, fast identischer Wagen.

9.58 Uhr. Ein dünner und auffällig kleiner, fast winziger Polizist kommt mit einem Aktenordner unter dem Arm aus dem Präsidialamt heraus. Er läuft mit dem Aktenordner in Richtung Bundestag. Er geht in der prallen Sonne. Nach etwa 50 Metern begegnet er einer etwa 50-jährigen, elegant gekleideten Dame, die aus Richtung Bundestag kommt und zwei Aktenordner trägt. Die beiden unterhalten sich kurz. Dann geht die Dame ins Präsidialamt. Der kleine Polizist läuft in der Sonne, immer weiter, immer geradeaus, bis er am Horizont verschwindet.

10.02 Uhr. Ein Mann, zu Fuß, trägt eine Kühltasche und einen Campingstuhl in das Präsidialamt. Eine Kühltasche?