Es sind - und ich bin stolz darauf - gute Jahre für unser Land gewesen. (Gerhard Schröder)

Sicher: Ein Kanzler ist nicht die Regierung, Äußerlichkeiten sind äußerlich, und dennoch misstraue ich einem Mann, der ständig mit den Kieferknochen mahlt und immer mal wieder ein Frau gegen die nächste austauscht. Ich misstraue auch den Grünen und den Roten - sie sind nicht mehr zeitgemäß. In einer Welt, die sich zu 100 Prozent zum Kapitalismus bekannt hat, ist jede Regierungsform außer einer unternehmerfreundlichen antiquiert. Wenn Kapitalismus, dann muss man das auch konsequent machen. Mit guten Managern und erstklassigen Führungskräften. Ist der Staatschef intellektuell in der Lage, einer Firma wie der BRD vorzustehen? Hat er genügend Ausstrahlung, Überzeugungskraft, menschliche Qualitäten? Oder ist es bei Staatschefs wie bei Piloten - je mehr Maschine, desto gut? Herr Schröder wollte Macht. Leider ausschließlich. Dass er in allem, was er darstellt und denkt und sagt, mittelmäßig ist, kann man ihm nicht vorwerfen, das ist gerade Trend, darum wurde er gewählt.

Vielleicht war es einfach nur Pech, dass des Kanzlers gute Jahre in eine harte Zeit fielen. Der Schritt von den ewigen Sechzigern in ein neues Jahrtausend, mit anderen Wirtschaftsbedingungen, mit mehr Unsentimentalität ...

Vielleicht begann das Ende der guten Kanzlerjahre, als er sich populistisch gegen Amerika stellte, das bekam der Wirtschaft nicht so gut, und gerne hätte er die EU zu einem Gegenamerika gemacht, das wäre sein Verdienst gewesen, die Sache mit Großdeutschland hatte ja schon Kohl erledigt, und dann ging alles schief. Leider braucht es für den Vorstandsvorsitzendenjob eine starke Figur, die sich nach der Alphatier-Ordnung durchsetzen kann. Ob Große Mutter oder Patriarch, ist völlig egal. Schröder war eher der windige Onkel aus dem Westen, der den Kindern immer das Falsche mitbrachte.

Einen Regierungschef auszuwechseln ist eine gute Sache. Man probiert etwas aus, es funktioniert nicht, man macht etwas anderes. Normal. Im Zweifel sollte man Manager, die unfähig sind, eher schneller verabschieden, ehe der Schaden zu groß wird. Im Zweifel glaube ich eher an intelligente Menschen als an machtbesessene, ich glaube auch eher an Frauen, weil sie sich mehr anstrengen müssen und in aller Regel nicht so selbstverliebt sind.

Was letztlich aus Deutschland wird, ist ein bisschen egal, denn es ist nur mehr ein kleiner Teil der Welt, immer noch ein relativ wohlhabendes Land, das ein paar Leute auf der Straße hat, sich aber im Gegensatz zu anderen Ländern noch den Luxus erlauben kann, nichtproduktive Menschen zu erhalten. Eine Ära von acht Jahren ist so unbedeutend im Kontext der Evolution, ein einzelnes Leben letztlich nur ein Baustein für kommende. Ich hoffe, Herr Schröder kann es so sehen, Vergleichbares wird es für ihn nicht mehr geben, aber er wird viele Fotos haben, die er ungefragt Postboten und anderen Menschen zeigen kann, sagend: Das waren sie, meine guten, quasi wunderbaren Jahre.