Am Freitagabend, wenn der Deutsche Filmpreis in der Berliner Philharmonie verliehen wird, wenn Michael Bully Herbig und die Kulturstaatsministerin Christina Weiss aufs Podium steigen, wird der höchstdotierte deutsche Kulturpreis in eine neue Phase eintreten. Zum ersten Mal werden die Preisträger von der deutschen Filmakademie gewählt und nicht mehr durch ein vom Bundeskulturministerium berufenes Gremium. Da Christina Weiss der Akademie damit auch den Schlüssel zum Subventionstresor übereignete, werden deren rund 600 Mitglieder also auch die fast drei Millionen Euro auf die nominierten Filme niederregnen lassen. Das heißt: auf Produktionen, an denen sie zum Teil selbst beteiligt waren. Es ist ein bisschen so, als ob der Bauernverband die Agrarsubventionen gleich selbst verteilen würde. Zweifellos verhelfen die Prominenten in der Akademie dem deutschen Kino zu mehr Publizität. Geradezu vorbildlich ist auch, dass die nominierten Filme im Rahmen eines kleinen Wanderfestivals bundesweit auf der Leinwand gezeigt werden. Und doch bleibt die Identität von Subventionsverteilern und -empfängern ein grundsätzliches Problem. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die immer noch zu kleine und damit für Lobbyismus anfällige Akademie die deutsche Filmlandschaft überhaupt mit Fug und Recht vertreten kann.

Denn innerhalb der Branche gibt es Gegenwind: So hat das Kinofestival Mannheim-Heidelberg gerade einen neuen, mit 50 000 Euro dotierten Filmkunstpreis ins Leben gerufen, der, so heißt es offensiv in Richtung Akademie, nichts als Qualität belohnen soll. Im Moment feilen die geladenen Regisseure an einem Manifest, das eine explizit kulturelle, nicht an industriellen Schimären orientierte Filmförderung fordert - ein Tritt vors Schienbein von Christina Weiss, die den Filmpreis gerade privatisiert hat.

Immer noch weigern sich einige der wichtigsten deutschen Regisseure, der Akademie beizutreten. Will sie als seriöse Institution überleben, dann muss sie sich ihren Gegnern stellen und sie möglichst integrieren. Das deutsche Kino kann nichts weniger gebrauchen als eine Spaltung in offizielle und inoffizielle Filmkultur, in künstlerischen Anspruch und industriellen Glamour. Angesichts eines solchen Gewackels könnten die Preismillionen nämlich eines Tages wieder zurück ins Ministerium wandern oder sogar ganz in der Versenkung verschwinden. Eine Akademie, die an den Konflikten der Branche vorbeiwurschtelt, läuft Gefahr, sich irgendwann nur noch selbst zu repräsentieren.