Unser siebenjähriger Sohn hat zwei Jahre lang Geldstücke gesammelt. Nun soll er erleben, wie aus dem Geld ein Sparkonto wird. Es gilt ja zu vermitteln, was bürgerliche Tugenden sind, was aufgeschobene Befriedigung bedeutet und wie sich durch kurzfristigen Konsumverzicht langfristig Träume realisieren lassen. Gemeinsam gehen wir also zur in der Nachbarschaft gelegenen Volks- und Raiffeisenbank. Deren Motto ist uns aus der Kinowerbung ebenso geläufig wie sympathisch: Wir machen den Weg frei.

Ob Banken sich im Zeitalter der Globalisierung wohl noch mit solchen Peanuts wie Sparbüchern für kleine Kinder beschäftigen? Die freundliche Bankangestellte zerstreut rasch meine Bedenken. Das sind doch unsere zukünftigen Kunden, natürlich machen wir das, sagt sie und fragt: Sind Sie alleinerziehend, und haben Sie die Geburtsurkunde dabei? Nein, weder bin ich alleinerziehend, noch habe ich die Geburtsurkunde, wohl aber den Ausweis des Kindes und den eigenen. Nützt aber nichts. Sowohl die Präsenz beider Eltern als auch die Geburtsurkunde des Kindes sind erforderlich. Mein ungläubiges Gelächter und die Frage, ob berufstätige Eltern dafür wohl einen Tag frei nehmen sollten, quittiert die Bankangestellte mit dem Hinweis: Tut mir leid, da können wir nichts machen. So sind nun einmal die Regeln.

Für den zweiten Anlauf Wochen später waren wir gut gerüstet. Ausgestattet mit einer schriftlichen Vollmacht meiner Ehefrau, ihrem Pass, dem Kinderausweis, der Geburtsurkunde und meinem Ausweis gingen wir noch einmal zur Bank. Wir hatten die Flexibilität deutscher Dienstleistungsunternehmen schon wieder unterschätzt. Die Vollmacht der Mutter reiche nicht aus, hieß es. Sie solle im Angesicht eines Bankangestellten ein Formular unterschreiben. Nach langen Verhandlungen ließe sich vielleicht eine Ausnahme machen, falls wir das nächste Mal ein von der Mutter mit unterschriebenes Bankformular mitbrächten.

Also gehen wir eine Woche später ein drittes Mal zur Bank. Danach vergeht ein Monat. Ich rufe an und erfahre, dass das Sparbuch noch nicht da ist, demnächst aber per Post zugestellt werde. Doch erst vier Wochen später kann es tatsächlich abgeholt werden.

Der Zufall wollte es, dass ich am Tag der ersten Begegnung mit dem deutschen Regulierungsalltag in der Bank in einem Buch den Begriff des Panjurismus kennen gelernt hatte. Der beschreibt den Versuch der Regulierung familiärer Beziehungen im Preußischen Allgemeinen Landrecht von 1794. Nun fragt sich, ob wir hier auf lange Traditionslinien oder aber auf neue Formen der Regulierung gestoßen sind. Auf alle Fälle ist der Weg zur Realisierung eines Plans in Deutschland sehr weit.