Wenn ich Kühe sehe, sind sie meistens friedlich mit Käuen oder Wiederkäuen beschäftigt. Kennen Rindviecher überhaupt Stress?

Nicht, wenn sie auf einer grünen Weide frisches Gras futtern. Aber wenn die Rinder zur Schlachtbank befördert werden, geraten sie in Stress. Der Transport im Lastwagen ist ungewohnt, und im Schlachthof hören und spüren die Tiere, dass hier Artgenossen getötet werden.

Und dieser Stress ist schlecht?

Natürlich. Erstens für die Tiere selbst, aber letztlich auch für Sie und mich. Wir möchten ja deren Fleisch. Geht es Rindern gut, profitieren wir beim Essen. Werden nämlich Stresshormone ausgeschüttet, verdirbt das Fleisch bezüglich Qualität und Haltbarkeit. Außerdem versteifen sich die Tiere, sodass mehr Blut in den Muskeln bleibt. Das führt dazu, dass das Fleisch zäher wird. Das Blut bringen Sie auch durch tagelanges Abhängen nicht mehr raus aus dem Gewebe.

Den stressfreien Gang ins Jenseits lernen die Kühe auf Ihrem Hof Olbendorf im südlichen Burgenland. Wie sieht Ihr Projekt aus?

Wir konstruieren derzeit eine Schlachthofattrappe. Dazu bauen wir exakt den Eingangsbereich des Schlachthofs von Ollersdorf nach - er liegt sechs Kilometer entfernt. Auch die Schlachtbox kopieren wir originalgetreu. Hier bringen wir dem Rind in einem zweiwöchigen Trainingslager bei, dass es jedes Mal Futter gibt, wenn es sich durch das Eingangstor in die Box begibt. Die Kuh lernt also, freiwillig und guten Mutes hineinzugehen.

Eine raffinierte Täuschung!