Wer soziale Gerechtigkeit als Verteilungsgerechtigkeit versteht, muss etwas zum Verteilen haben. Hier irrt sich der Autor. Eine Volkswirtschaft ist kein Familienhaushalt und kein Unternehmen. In diesen gilt, dass nur verteilt werden kann, was erwirtschaftet wurde - im größeren Rahmen jedoch muss die Verteilung von vornherein klar sein, damit überhaupt produziert wird. Nur wer einen Markt sieht, investiert. Warum wohl sind ernst zu nehmende liberale Vordenker wie Lord Dahrendorf oder Milton Friedman für ein arbeitsunabhängiges Grundeinkommen eingetreten? Weil nicht die ganze Welt ihr eigenes Billiglohnland sein kann. Ein globaler Markt mit einem Weltmarktpreis für Arbeit, die dann die Menschen angeblich ernähren soll - das wäre Selbsterdrosselung auch der Unternehmen.

JENS GREGERSEN, HAMBURG

Europa ist kein Bollwerk gegen die Globalisierung und Sie haben absolut Recht: Das darf es niemals werden. Europa, das ist die beste Antwort, die man auf die wirtschaftliche Globalisierung geben kann. Für internationale Verhältnisse sind nationale Märkte selbst von der Größe Deutschlands zunächst unattraktiv. Erst innerhalb der EU werden die Nationalstaaten interessant.

Das ist der wahre Grund, weshalb viele Staaten die EU-Mitgliedschaft anstreben. Sie erhöht die Wettbewerbsfähigkeit.

Doch auch die muss bewahrt und ausgebaut werden. Dazu hätte eine verbesserte Rechtslage durch die europäische Verfassung sehr geholfen. Und sie hätte Europa animieren können, in europäischen, ja globalen Maßstäben zu denken.

Auch die Finanzkrise ist nicht förderlich. Doch bei allem Streit, den Tony Blair vom Zaun gebrochen hat: Er hat Recht, dass Europa mehr Geld für Forschung als für Agrarwirtschaft ausgeben muss.

Werfen wir also unsere Stärken in eine Waagschale. Europa muss ein soziales Modell bleiben. Wir brauchen eine Vielfalt an Produktionsbedingungen. Denn mit Niedriglöhnen kommen wir nicht weit. Die Konkurrenz hat sie schon!