David Copperfield ist wieder in Deutschland, der Zauberer, der seinerzeit Claudia Schiffer nicht unter die Haube gekriegt hatte und jetzt Jungfrau für Jungfrau von der Bühne verschwinden lässt. Wenn es jemanden gibt, der aus einem schauspielernden Parlament ein ehrliches und aus einem vertrauenslosen Kanzler einen frischen Wahlkämpfer machen könnte, dann wäre es Copperfield.

Auf dem schwierigen Weg der Verwandlung ist Joschka Fischer am weitesten fortgeschritten, es ist aber noch nicht ganz klar, in was genau er sich verwandelt. Am vergangenen Freitag in der Bundestagsdebatte vor der Vertrauensfrage krähte er jedenfalls munter und wird bald wieder fliegen.

Westerwelle hackte er kurz als Schmalspurpolitiker, und aus der Union machte er ein Soufflé, in das am Wahltag hineingepikst werde, und zwar von der Souveränin und dem Souverän. Das ist eine Unterscheidung, die die politische Theorie bisher nicht kannte, darüber sollten wir ein Weilchen nachdenken, auch im Sinne einer mutmaßlichen Kanzlerin.

Schröder bewundert den Verwandelten maßlos. In der Fraktion sagte er hinterher: Ich komme in eure Wahlkreise und mache euch den Fischer, und das war ausnahmsweise mal keine Drohung. Schröder muss sich nur noch dem Wahlmanifest und der Partei insgesamt anverwandeln. Vergessen Rudolf Scharping auf der letzten Bank. Er hatte geschrieben, die Partei habe über das Reformieren ihre Seele verloren. Im besten Fall findet Scharping seinen Bart wieder, mehr Zauber ist nicht.

Wie sehr sich die Stimmung in der SPD in Windeseile wieder von Moll zu optimistischem Dur zurückmoduliert, bewies am Freitag auch der Bildungspolitiker Jörg Tauss: Wenn man in der Scheiße steckt, soll man nicht auch noch den Kopf reinhängen lassen. Hier muss die Metamorphose nur noch die Sprache ergreifen, dann können wieder große Zeichen gesetzt werden. Und große Zeichen braucht der Wahlkampf, in dieser Hinsicht kann man von den Amerikanern viel lernen. Zu ihrem Nationalfeiertag am 4. Juli ließen sie ein kühlschrankgroßes Kupfergeschoss auf den Kometen Tempel 1 prallen - ein bisschen sehr texanisch, zugegeben, aber ein wahrhaft großes Zeichen an die Bürger.

Am 18. September ist deutscher Nationalwahlfeiertag. Dann kracht die kühlschrankgroße SouveränIn mit voller Wucht auf das politische Urgestein.

Frenetischer Jubel in den Kontrollständen der Wahlkreise. Er hat uns den Fischer gemacht! Wir lernen etwas über die Entstehung des Universums.