Paris
"Nous sommes tous Londoniens" - Wir sind alle Londoner: Das war die erste Reaktion des Pariser Bürgermeisters Bertrand Delanoe, als er heute aus Singapur zurückgekehrt war. Mit den gleichen Worten reagierten französischen Parlamentarier, die heute mittag ihre Sitzung unterbrachen, als die Nachricht von den Terroranschlägen in London kam. Nach der schweren Niederlage, die Frankreich gestern gegen Großbritannien bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2012 erlitten hatte, war der Stimmungsumschwung der Franzosen radikal. Von den Tränen der Enttäuschung und Wut über die Briten, die Frankreich das nahezu letzte nationale Hoffnungsprojekt geraubt hatten, ist nichts mehr zu verspüren. Gestern noch war Staatspräsident Chirac mit denkbar schlechter Laune auf dem G8-Gipfel in Schottland angekommen, weil die Olympia-Schlappe der finale Sargnagel für seine auslaufende Regentschaft war. Doch bei der Ansprache Tony Blairs, der den Gipfel unterbrach und nach London zurückkehrte, stand Chirac zusammen mit US-Präsident Bush hinter dem Premier und sprach von seinem "Schrecken" und der "totalen Solidarität" mit den Briten.Krisensitzung im Quai d'Orsay, Warnstufe "rot" in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, verschärfte Kontrollen für Eurostar-Passagiere nach London - nicht einmal nach den Anschlägen von Madrid war die Mobilisierung in Frankreich so groß. Premier Dominique de Villepin kündigte an, dass sich "die gesamte französische Regierung zur Verfügung stellt, um mit den Briten zusammenzuarbeiten." Innenminister Sarkozy, der in den vergangenen Wochen bereits scharfe Verfolgungsmaßnahmen gegen Straftäter auf französischem Boden angenkündigt hatte, sprach vielsagend von einer Reihe "extrem präziser Maßnahmen", die Frankreich jetzt gegen den Terrorismus ergreifen wolle. Aus ihrer gestrigen Depression haben die Franzosen in kürzester Zeit herausgefunden und unmißverständlich signalisiert, dass die Briten auf sie zählen können.