Sie ist das Gegenbild zu den französischen Firmenbaronen: weiblich, jung und kommunikativ. Mit der Wahl von Laurence Parisot, 45, zur Präsidentin des Unternehmerverbandes Medef, könnte tatsächlich ein neues Kapitel in dem schwierigen Verhältnis zwischen den Franzosen und ihren Wirtschaftsführern beginnen. Denn der 750 000 Unternehmen zählende Verband war unter dem scheidenden Präsidenten Ernest-Antoine Seillière bislang eine patronale Trutzburg, die sich um öffentliche Sympathien wenig scherte. Immer wieder hatte die Chef-Organisation den Dialog der Sozialpartner gefordert, aber sich stets, wenn es bei Reformkämpfen und Streiks allzu hart kam, auf Maximalforderungen versteift und hinter der Regierung versteckt. Mit ihrer Forderung, Brücken in die Öffentlichkeit zu bauen und die Unternehmen wieder für die Gesellschaft zu öffnen, zielt Laurence Parisot jetzt auf eine Art Perestrojka im französischen Wirtschaftsleben.

Als Chefin von Frankreichs ältestem Meinungsforschungsinstitut Ifop bringt sie die dafür nötige kommunikative Erfahrung mit. Dabei gilt sie als Ultraliberale, die ihre Wahlkampagne mit dem knalligen Slogan führte: Die Gedankenfreiheit in unserem Land endet dort, wo das Arbeitsrecht beginnt. In ihrem Kampf gegen das französische Sozialmodell ist sie so unerbittlich wie ihr Vorgänger - mit dem Unterschied, dass sie nicht bloß Forderungen aufstellen, sondern werben und aufklären will: Liberal, sagt sie beharrlich, heißt nicht antisozial - im Gegenteil. Die unverheiratete Sportlerin und Maserati-Fahrerin kämpft auch für die Gleichstellung der Frauen und ist Mitinitiatorin des Internationalen Frauenforums, das im kommenden Oktober in Deauville zu einer Art Davos der Chefinnen werden soll.

Ich bin ins Unternehmertum gefallen wie Obelix in den Zaubertrank, sagt Laurence Parisot, die früh die Möbelfabrik ihres Vaters übernahm. Aus ihrer heutigen Nähe zu Staatspräsident Chirac sowie Magnaten wie François Pinault und Michel Pébereau macht sie keinen Hehl. Gern erzählt sie, wie sie in den Sümpfen von Louisiana einmal Wasserski fuhr, ohne sich um die Alligatoren zu kümmern - was sie auch als Verbandspräsidentin tun möchte: Ich werde mich dort nicht auffressen lassen, weil ich nicht allein bin.