Nur besonders wohlwollende Menschen würden fremden Menschen 1000 Euro leihen. Was aber, wenn 50 Unbekannte um jeweils 20 Euro bitten und sogar belegen können, dass sie das Geld samt Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückzahlen werden? In diesem Fall würden sich vielleicht schon eher Geldgeber finden. Wer aber bringt beide zusammen? Das Internet, glaubt das britische Unternehmen Zopa. Wie die Betreiber von eBay vereinigt Zopa Angebot und Nachfrage; nur eben mit dem Unterschied, dass über die Plattform im Netz keine Warengeschäfte, sondern Kredite zwischen Privatpersonen vermittelt werden. Kreditgeber vermerken, welchen Betrag sie wie lange und zu welchem Zinssatz verleihen wollen; Kreditnehmer können die angebotenen Zinssätze akzeptieren oder selbst einen Satz vorschlagen. Potenzielle Gläubiger und Schuldner sollen sich schrittweise annähern.

Der Bereich, in dem sich die Vorstellungen überlappen und eine Einigung auf die Konditionen möglich scheint, gibt der Firma den Namen: Zopa steht für Zone of Possible Agreement. Für Schuldner ist Zopa eine gute Alternative: Die geforderten Zinssätze gehörten im Juni zu den günstigsten, die von britischen Banken im Internet beworben wurden. Zudem können die Kreditnehmer bei Zopa ihre Schulden innerhalb der Laufzeit frühzeitig zurückzahlen. Das erlauben in Großbritannien nur wenige Banken.

Da lockt ein Markt von 30 Milliarden Pfund

Heute beschäftigt Zopa 20 Mitarbeiter, doch die Ambitionen sind groß: In Großbritannien werden jedes Jahr Ratenkredite im Wert von 30 Milliarden Pfund vergeben – und Bart Markus, Partner der Münchner Risikokapitalgesellschaft Wellington Partners, hofft, dass Zopa in Zukunft einen zweistelligen Marktanteil haben wird: "Ob 15 oder 30 Prozent, das weiß ich allerdings nicht." Wellington Partners ist ebenso Investor bei Zopa wie die US-Beteiligungsgesellschaft Benchmark, die einst eBay in der Startphase finanzierte.

Beide vertrauen auf die Kompetenz der Unternehmensführung: Zopa-Chef Richard Duvall und zwei weitere Vorstandsmitglieder gehörten früher zur Gründungsmannschaft von Egg, einer reinen Internet-Bank, die heute in Großbritannien mit mehr als drei Millionen Kunden zu den größten ihrer Art zählt.

Die Hoffnungen gründen auf einem latenten Misstrauen der Kunden gegenüber den etablierten Banken. Zopa positioniert sich als menschelnde Alternative zu den klassischen Instituten. Das eigene Verleihprinzip nennt Zopa peer-to-peer lending , was sich frei als Geldverleih unter Gleichrangigen übersetzen lässt.

In Untersuchungen wollen die Initiatoren herausgefunden haben, dass viele Briten gerne mehr Kontrolle über ihr Geld hätten. "Ich weiß nicht, wo mein Geld landet, und am Ende des Jahres bekomme ich einen Brief, dessen Inhalt ich nicht verstehe", beschreibt Zopa-Chef Duvall das Problem vieler Briten mit ihren Banken. Auf den Kontoauszügen von Zopa hingegen finden die Geldgeber neben den Kreditsummen und Tilgungszahlungen auch Vornamen und Wohnorte ihrer Schuldner (wenn auch nicht Nachnamen und volle Adressen). Angedacht ist überdies, auf den Auszügen aufzuführen, wie alt ein Kreditnehmer ist und für welchen Zweck er das Geld ausgegeben hat.

Duvall, der täglich mit 20 Kunden telefoniert, berichtet, dass vor allem ältere Geldgeber nicht nur eine monetäre, sondern auch eine soziale Rendite auf ihr Erspartes erzielen möchten. So wie der Inder, der ihm erzählt hat, dass er jungen Menschen Geld geben wolle, denen es so gehe wie ihm vor 20 Jahren. Bisher vermittelt Zopa allerdings nur besonders kreditwürdige Personen, die auch anderswo sehr gute Konditionen bekämen. Rund die Hälfte aller Kreditsuchenden wird auf der Internet-Seite nach der automatisierten Bonitätsprüfung abgelehnt.