Die reichen Industriestaaten und Russland (G8) wollen nach den schweren Anschlägen in London dem internationalen Terrorismus mit einer Verdopplung der Entwicklungshilfe den Nährboden entziehen. Bis 2010 sollen jährlich 50 Milliarden Dollar (gut 42 Milliarden Euro) zusätzlich in die armen Länder der Erde fließen, um vor allem in Afrika Armut und Hunger auszurotten sowie für Bildung und Gesundheit zu sorgen. Eine weitgehende Entschuldung der ärmsten Länder Afrikas wurde beschlossen. Zum Abschluss des G8-Gipfels am Freitag im schottischen Gleneagles schmiedeten die Staats- und Regierungschefs eine weltumspannende Allianz, um der akuten Terror-Bedrohung Herr zu werden.Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich mit dem Treffen zufrieden. "Ich würde glauben - trotz aller Tragik, die auf diesem Gipfel liegt - dass er in der Sache durchaus erfolgreich war", sagte Schröder. Der Gastgeber, Großbritanniens Premierminister Tony Blair, sprach von wichtigen Erfolgen. Blair, der den Gipfel zeitweise für Krisensitzungen in London verlassen musste, hatte Entwicklungshilfe und Klimaschutz zu seinen Top-Prioritäten gemacht.Die Attentate in London dominierten das dreitägige Treffen. Als am Donnerstag die ersten Berichte über vier gleichzeitig gezündete Bomben die Gipfelrunde erreichten, legten die Staats- und Regierungschefs Streit über die Afrika-Hilfe und Maßnahmen zum Klimaschutz rasch bei. Als Zeichen ihrer Geschlossenheit setzten sie ihre Arbeitssitzungen wie geplant fort.Blair hob die Einigung auf mehr Entwicklungshilfe bei seinen Schlussworten besonders hervor. "Das klare Signal an Afrika, das nicht nur eine Absichtserklärung, sondern ein konkretes Angebot für Hoffnung ist, steht im krassen Gegensatz zu der Politik des Terrors, den wir gestern erlebt haben", sagte Blair. "Hoffnung ist die Antwort auf Hass. Im Terrorismus liegt keine Hoffnung, noch hat er eine Zukunft."In dem Hilfspaket sind für Afrika 25 Milliarden Dollar vorgesehen. Die Erklärung der G8 sprach von einer "historischen Gelegenheit für Afrika". "Seine Führer haben eine neue Vision für die Zukunft des Kontinents", hieß es. Entscheidende Voraussetzung für Hilfe sei aber das Abstellen der Korruption und ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Das Schlussdokument bestätigt auch den im Juni vereinbarten Schuldenerlass für 18 arme Länder, darunter 14 in Afrika, im Wert von 40 Milliarden US-Dollar.Mit einer symbolischen Geste der Solidarität unterzeichneten die G8-Führer und sieben Staats- und Regierungschefs aus Afrika eine gemeinsame Erklärung zum Anti-Terror-Kampf. Bei dem Treffen waren Südafrika, Nigeria, Tansania, Äthiopien, Senegal, Ghana und Algerien vertreten. Unmittelbar nach den Londoner Anschlägen hatten schon die wirtschaftlich aufstrebenden Nationen China, Indien, Mexiko, Südafrika und Brasilien ihre Kooperation zugesagt.Blair, der den Klimaschutz zu einem Schwerpunkt des Treffens gemacht hatte, räumte ein, dass beim Kampf gegen die Erderwärmung ein nur minimaler Konsens in der Runde erreicht wurde. Die USA, die als einzige Nation das Kyoto-Protokoll zur Verringerung der schädlichen Treibhausgase nicht ratifiziert haben, sperrten sich gegen konkrete Ziele. In der gemeinsamen G8-Erklärung wird das Kyoto-Protokoll daher nur kurz am Ende erwähnt. Es heißt lediglich, dass die G8-Staaten, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben, den Plan zum Erfolg führen wollen.Umweltschützer kritisierten scharf die Beschlüsse des G8-Gipfels. Greenpeace sprach von einer "großen verpassten Chance". Für den Kampf gegen die globale Erwärmung sei "zu wenig bis gar nichts herauskommen". Nach Ansicht des Umweltschutzverbandes WWF hat der Gipfel den Klimaschutz nicht vorangebracht. Bei US-Präsident George W. Bush sei "keinerlei Bewegung erkennbar". Bundeskanzler Gerhard Schröder lobte dagegen die Einigung. Die G8 seien in der Klimafrage vorangekommen. Es sei ein Erfolg, dass es überhaupt eine gemeinsame G8-Erklärung gebe. Ähnlich äußerten sich EU-Vertreter. "Was wir erreicht haben, liegt deutlich über unseren Erwartungen." Auch wenn Umweltschützer die Ergebnisse kritisierten, so habe Bush erstmals anerkannt, dass es ein Klima-Problem gebe und dieses möglichst schnell angepackt werden müsse.