Ihr Verband warnt davor, dass Mecklenburg-Vorpommern die Lateinlehrer weglaufen könnten. Warum sollten sie das tun?

Latein ist bundesweit ein Mangelfach, das heißt: Immer mehr Schüler lernen in dem Fach, doch es gibt nicht genug Lehrer. Das führt zu Wettbewerb unter den Bundesländern. Nachbarländer wie Niedersachsen und Hamburg bieten viel günstigere Bedingungen. Die Bezahlung in Mecklenburg-Vorpommern ist schlecht, und sie wird immer schlechter. Die Lehrer werden regelrecht gezwungen, das so genannte Lehrerpersonalkonzept mitzutragen - was dazu führt, dass viele mit ihrem Stundendeputat und Gehalt bei 50 Prozent angekommen sind. Hat man Kinder, ist das am Existenzminimum.

Das gilt genauso für andere Fächer. Warum beschweren sich gerade die Lateiner?

Das hat auch etwas mit fehlender Anerkennung zu tun. Bestimmte Kreise im Lande stehen humanistischer Bildung immer noch kritisch gegenüber. Auch kippen Gymnasialdirektoren Latein oft ganz, weil sie wegen der knappen Personalausstattung Engpässe befürchten. Lateinlehrer haben nicht die Lobby wie die Vertreter anderer Fächer, die es im Osten seit Jahrzehnten gibt.

Besonders deutlich wird das bei den Russischlehrern. Das sind oft alt angestammte Leute, denen manche Schule das Bett noch etwas schöner macht.

Lateinlehrer sind nicht so in der Region verwurzelt und wandern ab.