Ginge es nur darum, den Transport von fünfzehn Tonnen Nutzlast und sieben Passagieren zuverlässig und preisgünstig abzuwickeln, hätte der Oldtimer in der Garage bleiben müssen. Doch in der Raumfahrt gelten eigene Regeln. Und deshalb steht die Raumfähre Discovery, entwickelt in den siebziger Jahren, gebaut 1983, jetzt wieder auf der Abschussrampe von Cape Canaveral. Am Mittwoch soll der älteste der drei noch verbliebenen Space-Shuttle abheben. Zweieinhalb Jahre nachdem die Columbia bei ihrer Rückkehr zur Erde verglühte und alle sieben Besatzungsmitglieder einen qualvollen Tod starben, hat der neue Nasa-Direktor Michael Griffin den Abschluss der Shuttle-Generalüberholung verkündet: "Return to flight". 12 der 15 Kernforderungen, die eine unabhängige Untersuchungskommission nach der Columbia-Katastrophe aufgestellt hatte, seien erfüllt. Mehr hätte nur mit einem kompletten Neubau erreicht werden können, sagt Griffin. "Ich glaube, das wird der problemloseste Flug, den wir je hatten."

Sicher ist jetzt schon, dass Shuttle-Flug 114 teurer ist als jeder vorherige. Neben den üblichen Startkosten von mehr als 500 Millionen sind zwei Milliarden Dollar in die Erforschung der Unfallursache, in Nachrüstung und Tests geflossen. Und das, obwohl die Stilllegung der Shuttle-Restflotte längst beschlossen ist. Höchstens 28, wahrscheinlich aber deutlich weniger Flüge sollen Discovery, Atlantis und Endeavour bis 2010 noch absolvieren, dann ist Schluss mit der Raumfahrt in wiederverwendbaren Fahrzeugen. Denn das Crew Exploration Vehicle (CEV), das den Shuttle ersetzen soll, wird wieder als Einwegrakete mit Rückkehrkapsel konstruiert.

Das gleiche Konzept hat die Nasa vor mehr als 30 Jahren für ihre Mondflüge angewandt. Und der bemannten russischen Raumfahrt leistet es treue Dienste, seit Jurij Gagarin 1961, schwer durchgeschüttelt, ansonsten aber unversehrt, als erster Mensch in einer Raumkapsel aus dem All zurückkehrte. Bei etwa 850 Flügen haben Sojus-Raketen Menschen und Material für ein Zehntel der Transportkosten des Shuttles ins All befördert. Von 2008 an wird der zuverlässige Packesel der russischen Raumfahrt auch in Kourou starten. Wegen der äquatornahen Lage der europäischen Raketenrampe in Französisch-Guayana kann die Sojus dann mit gleicher Technik 20 Prozent mehr Gewicht auf die Umlaufbahn hieven.

Wirtschaftlich betrachtet, müssten amerikanische Astronauten in Zukunft im europäischen Raumfahrtbahnhof in eine russische Rakete steigen, um zur Internationalen Raumstation (ISS) zu gelangen. Doch dazu wird es nicht kommen. Bei der bemannten Raumfahrt geht es nur in zweiter Linie um die Beförderung von Menschen und Geräten ins All. Ihren Jahresetat von 16 Milliarden Dollar bekommt die Nasa, um Amerikas Selbstbewusstsein zu fördern und seine Stärke zu beweisen. Ein eigener Zugang zum All ist dafür unverzichtbar – und sei es mit Hilfe eines runderneuerten Oldtimers.