Barfuß und in Begleitung ihrer Kinder stapften die Zweibeiner über frische Vulkanasche im Valsequillo-Becken des heutigen Zentralmexiko. Offenbar folgten sie Tieren, die ebenfalls ihre Abdrücke in der Asche hinterließen. Einige der Fußspuren zeigen genau, was die Tiere taten, sagt Silvia Gonzalez, Geoarchäologin an der Universität Liverpool. Doch wann spielte sich diese Verfolgungsszene ab? Am Montag präsentierte Gonzalez eine Antwort, die nicht in die Besiedlungsgeschichte Amerikas passt: Die steinzeitliche Wanderung, konserviert in Form versteinerter Fußabdrücke, soll vor mehr als 40 000 Jahren stattgefunden haben. Dies, so Gonzalez, hätten Datierungen ergeben, die ihr Forschungsteam während der vergangenen zwei Jahre an Spuren aus dem Valsequillo-Becken, 130 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, vorgenommen hat.

40 000 Jahre, das wäre Altersrekord für Homo-Funde auf dem amerikanischen Kontinent - läge aber im Trend der jüngeren Forschungen. Dass der Doppelkontinent erst während der Eiszeit vor 11 000 bis 12 000 Jahren über die Beringstraße bevölkert wurde, wird seit einiger Zeit zunehmend infrage gestellt (ZEIT Nr. 33/00, S. 27). Eine im südchilenischen Monte Verde gefundene Siedlung ist vermutlich 15 000 Jahre alt. Sprachforscher und Genetiker, die die Vielfalt amerikanischer Ureinwohner zu einem gemeinsamen Ursprung zurückverfolgen, sammelten Belege dafür, dass deren Vorfahren wohl spätestens vor 20 000, frühestens vor 40 000 Jahren den Weg nach Amerika fanden.

Nur, wie sollen die da hingekommen sein? Diese Frage werden Archäologen und Anthropologen auch Gonzalez stellen. Damals hinterließen gerade die ersten Homines sapientes ihre Spuren in Europa. Da sollen ihre Vettern sich schon bis Mexiko durchgeschlagen haben?

Erst ein geologischer Zufall hat den steinzeitlichen Spaziergang für die Gegenwart festgehalten: Im Valsequillo-Becken war einst ein Vulkan aktiv.

Nachdem der Berg Asche gespien hatte, seien hominide Zweibeiner zwischen 117 und 190 Zentimeter Größe über das weiche Material gelaufen. Das ergaben physiologische Berechnungen aufgrund der lasergenauen Vermessungen der Fußabdrücke. Die Asche erstarrte beim Abkühlen zu Stein. Als der Wasserspiegel des benachbarten Sees stieg, wurde sie von Sedimenten überdeckt. Heute gibt es in Valsequillo nur mehr einen kleinen Stausee. Die wieder trockengefallenen Sedimente nutzen die Menschen vor Ort als Baumaterial. Arbeiter legten 2003 die Fußstapfen frei. Silvia Gonzalez, die ihre Heimat Mexiko als normale Geologin verlassen hatte, kehrte nach 15 Jahren in Großbritannien als Geoarchäologin zurück. Sie suchte Altersbelege für die Spuren.

Da sich die Eindrücke im Stein selbst nicht datieren ließen, nahm sie Proben der erstarrten Asche und der Deckschichten als Referenz. Sie wurden jeweils mit mehreren Methoden datiert. Zusätzlich untersuchten die Forscher aus Liverpool das Alter von Weichtierschalen und Knochenresten, die sie in den Sedimenten gefunden hatten: Alles das passe ins Bild - Wir haben unterschiedliches Material mit verschiedenen Methoden untersucht. Die Ergebnisse sind belastbar, sagt Gonzalez. Eine Veröffentlichung im Fachmagazin Quaternary Science Reviews stehe bevor.

Das britische Natural Environment Research Council (NERC) hat Gonzalez soeben 212 000 Pfund Drittmittel bewilligt. Damit will sie in den kommenden drei Jahren unter bisher unberührten Sedimentschichten entlang des ehemaligen Seeufers nach weiteren möglichen Abdrücken graben, die von frühen Amerika-Spaziergängen zeugen könnten.