Am 7. Juli war mein Bruder sieben, ich war elf, und Boris war 17 Jahre alt. Hätten wir einen älteren Bruder gehabt - er wäre es gewesen. Wir haben alle drei rote Haare. Nach dem Matchball sprangen mein Bruder und ich raus auf den Balkon meines Zimmers und schrien wild durcheinander, und dann rannten wir durchs ganze Haus, und in der nächsten Woche meldeten wir uns beim Tennisverein an. Immer wieder hatten unsere Eltern vorher versucht, uns dazu überreden, aber Tennis war uncool. Das war mit Boris anders. Tennis war cool. Es gab auch einen Sommerhit zum 7. Juli 1985, von Bruce & Bongo, er hatte den Refrain Boris is geil, g-g-g-geil. Wir kauften uns Schweißbänder und Schläger, und es dauerte nicht lange, bis wir den Becker-Hecht imitierten: Das Problem war nur, dass Boris durch die Luft flog und auf weichem grünen Rasen landete, wir aber auf hartem roten Sand. Wir hatten sehr viele Schürfwunden in diesem Sommer.

Jahre später in München sah ich einmal, wie Boris Becker aus einer Bar stürmte, einem Rosenverkäufer hinterher, und mit großer Geste den ganzen Strauß kaufte. Er eilte zurück in die Bar. Seine Tenniskarriere lag hinter ihm. Boris war nicht mehr cool. Er war jetzt ein Rosenkavalier.