Südeuropa war einst der Garten Eden des Alten Kontinents. Jetzt trocknet er aus. Am letzten Samstag im Juni registriert der Wetterdienst von Jörg Kachelmann für das korsische Calvi 36,9 Grad im Schatten, eine selbst für diese Insel ungewöhnlich hohe Temperatur. Tags darauf zeigt das Thermometer im südfranzösischen Carpentras 37 Grad. Und auch in Italien, Spanien und Griechenland ist es heißer als sonst. Die Werte liegen zehn Grad über normal, sagt Kachelmann. Und nicht nur das. Im westlichen Mittelmeerraum fällt bis zu 30 Prozent weniger Regen als noch vor 100 Jahren, belegt die Statistik des Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam.

Über dem Süden Europas braut sich ein meteorologisches Unheil zusammen, das früher oder später den ganzen Kontinent verdunkeln könnte. Fallen wegen der anhaltenden Dürre nämlich ein paar tausend Megawatt Kraftwerksleistung an der Rh'ne aus, könnte das verwobene europäische Energienetz kollabieren. Die Gefahr sei virulent, warnten die Experten eines großen deutschen Stromkonzerns vor wenigen Tagen ihren Vorstand. Alle Steinkohle-, Braunkohle- und Atommeiler funktionieren nämlich noch immer nach dem Prinzip der Dampfmaschine, das 1698 im englischen Süd-Devon patentiert wurde. Ohne Wasser geht es nicht. Früher wurde Wasser zu Dampf und Dampf zu Strom, heute wird es zu Dampf, während es die modernen Kraftwerke kühlt. Allein in Deutschland werden drei Viertel des statistisch erfassten Wasserverbrauchs dem Kühlwasser zugeschrieben.

Frankreich exportierte viel Strom, jetzt braucht es ihn selbst

Der spanische Versorger Red Eléctrica de España (REE) meldet derzeit täglich neue Rekorde. Innerhalb eines Jahres sei der Stromverbrauch um mehr als drei Prozent gestiegen, sagt REE-Präsident Luis Atienza, fast so wie in Entwicklungsländern. Doch woher soll er zusätzliche Energie nehmen? Ebenso wie Portugal und Italien bezieht auch Spanien einen beträchtlichen Teil seines Stroms aus Wasserkraftwerken, deren Leistung von Tag zu Tag nachlässt.

Auf zusätzliche Lieferungen der Franzosen können die Spanier auch nicht hoffen, weil auch die Nachbarn wegen der Hitze Hunderttausende von Klimaanlagen angeworfen haben und ihren Strom nun selber benötigen. Zudem seien die Leitungen über die Pyrenäen längst ausgelastet, sagen Stromhändler.

Frankreich hat eine Schlüsselstellung im europäischen Stromverbund. Kein anderes Land der Europäischen Union exportiert so viel Strom. Mehr als 73 Milliarden Kilowattstunden im Jahr gehen vor allem nach Italien, Spanien und Portugal. Trotzdem hat Frankreich ein Problem, denn der stark steigende Stromkonsum im Inland kann inzwischen kaum noch bedient werden. Schuld ist das Wetter, denn seit dem Hitzejahr 2003 konnte das Wasserdefizit nicht wieder ausgeglichen werden. Es gab es weniger Schnee, folglich weniger Schmelzwasser, um die Wasserpegel der großen französischen Flüsse zu normalisieren. Und jetzt kommt wieder eine Dürre. Noch ein paar trockene Tage an der Rh'ne, dann müssen Kernkraftwerke vom Netz, sagt ein Händler.

Und dann?