Mandelsohn: Die EU ist schon jetzt der offenste Markt der Welt für Entwicklungsländer. 70 Prozent der Agrarexporte aus Entwicklungsländern kommen nach Europa, für nahezu alle diese Exporte wurden die Zölle auf null gesetzt durch unser "Alles außer Waffen"-System. 33 der ärmsten Länder Afrikas haben zollfreien Zugang zu unseren Märkten. Der Rest wird mit besonderem Vorzug behandelt. Das Problem ist ein anderes: Afrikanische Länder können den Zugang, den wir anbieten, nicht oder nur unzureichend ausnutzen.

ZEIT: Das klingt allzu einfach.

Mandelsohn: Diese Länder leiden daran, dass ihre Wirtschaft nicht diversifiziert genug ist oder ihre Infrastruktur bei weitem nicht ausreicht. Oder aber die Bevölkerung wächst zu schnell und lässt das Pro-Kopf-Einkommen sinken, sodass sogar eine liberalisierte Volkswirtschaft das nicht ausgleichen kann. Wenn wir diese Probleme nicht angehen, werden Freihandel und Marktzugang immer sein, als ob man einen Teller mit Essen vor einen Mann stellt, ihm aber Messer und Gabel vorenthält.

ZEIT: Der britische Schatzkanzler hat kürzlich von der EU gefordert, ihre Subventionen für Agrarexporte zu streichen. Richtig?

Mandelsohn: Wir sind entschlossen dazu und haben vergangenen Sommer in der Doha-Runde einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Vielleicht weiß er das nicht.

ZEIT: Haben Sie es ihm nicht gesagt?

Mandelsohn: Dazu gab es keine Gelegenheit. In der Debatte um die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik werden zu viele simple Argumente benutzt. Einige Teile dieser Politik, beispielsweise die Zucker-Ordnung, garantieren Zugang für sehr arme Länder in Afrika, der Karibik und dem Pazifik. Diese Länder mögen deshalb die gemeinsame Agrarpolitik, wie sie ist. Wer also sagt, das alles sei ein Verbrechen gegen die Armen, muss sehen: Verschiedene Entwicklungsländer haben verschiedene Interessen. Das wird zu oft ignoriert.