Drohen wolle er nicht, sagt Michael Sommer, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Aber wenn die Tarifautonomie angegriffen wird, will er den Streit vor Gericht und in den Betrieben austragen

DIE ZEIT: Herr Sommer, wann haben Sie zuletzt mit Angela Merkel gesprochen?

Michael Sommer: Am Montagabend letzter Woche beim Sommerfest der niedersächsischen Landesvertretung. Da konnten wir ausführlicher miteinander reden, auch wenn wir von Kameras umlagert wurden.

ZEIT: Treffen Sie sich nicht mal mit ihr zum Essen und plaudern bei einem Glas Wein darüber, wie man sich politisch näher kommen könnte?

Sommer: Man muss nicht jeden Termin öffentlich machen.

ZEIT: Aber Sie versuchen, Einfluss auf ihr Wahlprogramm zu nehmen?

Sommer: Sicher, nur ist das bei der Union schwieriger als bei der SPD. Da kann ich den Parteivorsitzenden anrufen und sagen: "Franz, ich hielte es für sinnvoll, wenn ihr das Elterngeld ins Programm nehmt." Bei der CDU läuft die Kommunikation eher indirekt über die Arbeitnehmergruppe, die CDA. Trotzdem: Merkel kennt unsere Wünsche und unsere Schmerzpunkte.

ZEIT: Gibt es eine Arbeitsteilung, etwa: Chemie-Chef Hubertus Schmoldt nutzt seine Drähte zur SPD, ver.di-Chef Frank Bsirske spricht mit den Grünen, Jürgen Peters von der IG Metall bearbeitet die WASG, und Sie als gewerkschaftlicher Oberrealo baggern die Union an?

Sommer: Nein, nein. Natürlich führen wir alle Gespräche. Vor allem: Jürgen Peters ist nicht unser Mann für die WASG und Frank Bsirske nicht der für die Grünen.

ZEIT: Wo gibt es Berührungspunkte mit der Union?