Jeden Abend, wenn es in Afrika dunkel wird, erwacht einer der größten Feinde der Afrikaner. Er ist klein, weiblich, hat sechs Beine, kann fliegen – und stechen. Ein einziger Stich, kaum merklich, kann tödlich sein. Eine Million Afrikaner, vor allem Kinder, fallen dem Killer jährlich zum Opfer. Sein Name ist Anopheles. Der Kindermörder ist eine Mücke.

Alle 30 Sekunden hinterlässt das Moskitoweibchen ein Opfer; es saugt Menschenblut, um seine Brut reifen zu lassen. Alle 30 Sekunden stirbt deshalb in Schwarzafrika ein Kind an Wechselfieber, das mehr Kinder dahinrafft als jede andere Infektionskrankheit. Auch mehr als Aids.

Früher herrschte der Glaube, der Ursprung der Krankheit sei schlechte Luft in der Nähe von Sümpfen. Daher der lateinische Name: mala aria. Tatsächlich überträgt Anopheles bei ihrem Blutmahl einen heimtückischen Einzeller, der die Malaria hervorruft. Jeder dritte Infizierte stirbt, sofern er nicht rechtzeitig behandelt wird. Das Siechtum dauert nur wenige Tage.

Malaria bedroht die Hälfte der Weltbevölkerung, und nirgendwo ist die Gefahr größer als in Afrika. Doch viele Afrikaner wissen nicht, dass ausschließlich Mücken Malaria übertragen. In Uganda, ergab vor vier Jahren eine Befragung von 1000 Personen, wusste es nur jeder Fünfte! Und das, obwohl Anopheles verhindert, wovon die meisten Afrikaner träumen: bescheidenen Wohlstand.

Eine "Wunde im Gewissen der Welt" – so redet Tony Blair über Afrika. Tatsächlich geht es den Afrikanern nicht einfach nur schlecht, es geht ihnen schlechter als vor einem Vierteljahrhundert. Deshalb veranstaltet der britische Premier den G8-Gipfel der Mächtigen diese Woche im Namen der Ärmsten. Den Afrikanern soll auch bei der Bekämpfung der afrikanischen Killerkrankheiten geholfen werden: Aids, Tuberkulose und Malaria.

Den Afrikanern sollte schon oft geholfen werden. Pro Kopf erhalten sie auch heute so viel Entwicklungshilfe wie keine andere Region: 34 Dollar im Jahr 2003, etwas weniger als 1990. Rund die Hälfte davon für Schulen und Bildung, für Ärzte und Krankenhäuser und für die wirtschaftsnahe Infrastruktur. Offiziell. Tatsächlich, berichtete kürzlich die internationale Hilfsorganisation ActionAid, würden mehr als zwei Drittel der Wohltaten als "Phantomhilfe" in der Entwicklungsbürokratie versickern. Auch deswegen sind die Länder südlich der Sahara heute ärmer als früher: Ihr jährliches Pro-Kopf-Einkommen ist von 573 Dollar (1980) auf inzwischen 514 Dollar gesunken. Die Lebenserwartung von 48 Jahren (1982) auf 46. Und die Gesundheitsausgaben von 34 (1988) auf 32 Dollar pro Kopf. Derweil erkranken immer mehr Afrikaner an vermeidbaren Krankheiten, nicht zuletzt an Malaria. In den vergangenen zehn Jahren ist die Infektionsrate in Uganda um 700 Prozent gestiegen, um 250 Prozent in Burkina Faso und um 175 Prozent in Mali. Irgendetwas muss sehr schief gelaufen sein.