Die amerikanische Zoologin Rachel Carson machte DDT den Garaus – und sich zu einer Ikone der Umweltbewegung. 1962, zwei Jahre vor ihrem Tod, schrieb Carson ein Buch, das zu einer Art Ökobibel werden sollte. Es heißt Der stumme Frühling und handelt vom Verstummen der Vögel und vom Sterben der Natur.

Auf ihrem Kreuzzug fand Carson überall DDT, auch dort, wo niemand den Stoff vermutete: in den Körpern von Fischen, Vögeln, Menschen, ja selbst in denen von Säuglingen. Dank ihres Buches wurde DDT zum Symbol sämtlicher Zivilisationsübel – und zum Feind der Umweltschützer. Obsiege die Umweltbewegung über DDT, sagte ein amerikanischer Umweltschützer, werde sie eine nie gekannte Autorität gewinnen.

Menschen fallen nicht tot um, wenn sie geringe Mengen DDT verschlucken oder einatmen. Doch DDT ist besonders langlebig. Es dauert Jahre bis Jahrzehnte, bis die Hälfte des Stoffes im Organismus von Tieren und Menschen abgebaut ist. Er ist sogar schon in der Muttermilch von Frauen gefunden worden, die nie direkt mit DDT in Berührung kamen. 1972 verbot die US-Regierung DDT. Mittlerweile ist es per internationalem Abkommen weltweit untersagt – mit einer Ausnahme: Zwecks Malariabekämpfung darf DDT laut "Konvention über persistente organische Schadstoffe" (Pops-Konvention) so lange verwendet werden, wie es keine wirksamere Alternative gibt. Selbst Greenpeace habe nichts gegen die Ausnahmeregel, sagt deren Chemieexperte Manfred Krautter. Alles andere sei "ein Gerücht".

Der Streit ums DDT tobt dennoch weiter. Als ginge es ihnen um späte Rache, verunglimpfen DDT-Anhänger die Umweltschützer bis heute. Das DDT-Verbot habe "mehr Menschen getötet als Hitler", lässt etwa der Bestsellerautor Michael Crichton in seinem Thriller Welt in Angst einen Romanhelden sagen.

Tatsächlich ist die Angelegenheit kompliziert. Niemand weiß das besser als Jim Muhwezi. Muhwezi ist der Gesundheitsminister Ugandas, der rund 25 Millionen Bewohner des afrikanischen Landes vor Plagen zu schützen hat. Auch vor der Malaria: 16,5 Millionen Fälle wurden im Jahr 2004 registriert, 1998 waren es nur 5,5 Millionen gewesen. Deshalb will Muhwezi die Behausungen der Ugander mit DDT einsprühen lassen. Es sei "das wirksamste und billigste Mittel gegen die Mücken", sagt er.

Der oberste Repräsentant Europas in Ugandas Hauptstadt heißt Sigurd Illing. Er ist Deutscher und leitet das Büro der EU in Kampala. Natürlich weiß Illing um das Malariaproblem seines Gastlandes. Er weiß aber auch um die Ängste der Europäer vor DDT. Und er kennt die europäischen Paragrafen, einschließlich der Rückstandshöchstmengenverordnungen. In ihnen steht, wie viel DDT beispielsweise in Kaffeebohnen sein darf, wenn sie hierzulande verkauft werden sollen: höchstens ein Milligramm pro Kilogramm Rohkaffee. Ein Kilogramm Fisch darf nicht mehr als fünf Milligramm DDT enthalten. Kaffee und Fisch sind Ugandas wichtigste Exportprodukte.

Was also, warnte Illing aus ernster Sorge um die wirtschaftliche Zukunft Ugandas, wenn wegen des DDT-Einsatzes Ugandas Export stottere, der zu mehr als einem Drittel in die EU gehe? Unschöne Schlagzeilen trug ihm das ein. Ob die ugandische Regierung trotzdem DDT einsetzt, hat sie noch nicht entschieden. ( vo )