Rasch zwischengelagert werden im Wiener Museum für angewandte Kunst, modisch MAK genannt, bis 18. September zwei Werkgruppen des Experimentalprovokateurs Joep Van Lieshout. Der holländische Kunstunternehmer betreibt mit 35 angestellten Kommunarden sein namensspendendes Atelier, das modische Möbel und zivilisationskritisches Allerlei, gerne in Polyester, fabriziert. Die Factory in Rotterdam selbst wurde weltweit als Freistaat verkauft mit eigenen Waffen, eigener Währung und eigener Energieversorgung.

So sind Kunst, Kommerz & Kommunikation Markt-Zeichen und Programm einer Autarkie-Illusion, die längst ranzig geworden ist.

Jetzt in Wien: schlecht ausgeleuchtet, disparat platziert Der Disziplinator und Der Technokrat, zwei Humanbatterien, die allegorisch das Arbeitslager Menschheit repräsentieren sollen. Der Disziplinator, ein autarkes Mobil-KZ für 24 Schlafstellen, 8 Zahnbürsten, 36 Feilen und 72 Menschen, die in Rotation Baumstämme zu Sägemehl schaben sollen. Roh zusammengezimmert wie Bretterbuden im Schrebergarten, dazu, hübsch weiß bezogen, die Matratzen und die fein gebügelten Vorhängchen mit sauberer Kappnaht, die emaillierten Blechteller säuberlich gedeckt wie bei Schneewittchen - nachher im Museumsshop für 15 Euro einer zu erwerben: eine widerliche Auschwitzelei.

Banalisierung und Trivialisierung von Gulag bis Orwell dito bei der zweiten Objektskulptur. Der Technokrat kaserniert Leiber an Schlauchsystemen, saugt Fäkalien zur Energieversorung direkt ab Anus ab und trichtert Fusel aus dem systeminternen Alkoholator ein - Versuchsanordnung zwischen Heimwerkerei und dem Physikunterricht der Feuerzangenbowle: Lichter, Schalter, Reagenzgläser, Tanks, Kessel & Computer. Testpersonen hätten die vitale Gewalttätigkeit der Maschinen vorführen können, unbespielt wie hier bleiben sie trockene Exerzitien in totalem Ideologie-Verdacht mit dem Charme eines städtischen Bauhofes. Um die Ecke im nächsten Tableau wird die Schönheit von Spaten, Schaufel und Schubkarre in Baumarkt-Ästhetik zelebriert. Und im Handumdrehen schwafelt der Manifest-Schwulst des großen Anarcho-Artefaktors das disziplinarische Werkzeug in die Brauchtumskammer des Heimatmuseums hinein.

Dem abgehalfterten Genie-Kult des 19. Jahrhunderts wird in bedeutungstriefendem Denglish mit Blasen von Avantgarde-Sprech gehuldigt, und plötzlich prangt solcherlei Elaborat auf Leinwand als Tafelbild im blattversilberten Holzrahmen. Das so genannte MAK verkommt immer mehr zum Ablagerhaus pensionierter Provokationen.